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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 8 · p. 527

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 8
Article
Hass und Verachtung
Date
1921-01-01
Page
527 (sequence 5)
Language
German
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Haß und Verachtung 527 „Unmoralisch" ist das „Unedle", „Gemeine", darunter denkt man sich das „Unadlige", genauer das „Unritterliche". Gentlemanlike, fair, anständig, ehrenhaft und ähnliche Bezeichnungen bedeuten alle eine ins Bürgerliche übersetzte „Ritterlichkeit". Zum Beispiel im Mord an sich sieht der Europäer nicht etwas absolut Verachtungswürdiges, Unmoralisches, Unedles; er ist eine religiöse Sünde, ein soziales Verbrechen, aber an sich kann er unter Umständen sogar „moralisch", „ehrenhaft" sein; so faßte es eben der feudale Ritter auf. Die jüdische Moral im Christentum hat Europa als weltfremd energisch abgeschüttelt, so gründlich, daß sie den ungeheuerlichen Widersinn eines Kreuzzuges oder den des Franziskaners als Inquisitor gar nicht empfand. Europa lebt die Moral ihres Wesens trotz der fremden religiösen Moral, denn die Religion hat ihr Wesen nicht geändert und der Mensch kann in den Gesetzen seines Handelns nur seinem Wesen folgen.*) Der Europäer spricht noch immer vom „edlen Kriegshandwerk", und wenn sich manche entartete Schwächlinge (von jüdischer Moral angekränkelt) zur Ablehnung des Krieges durchdenken, die Gefühle des Abscheus, des Ekels, der Verachtung, die der Jude dem Mord und jeder Gewalttat entgegenbringt, sparen sie sich für das Schachern, Wuchern und andere vom Ritter verachteten Handlungen auf, die auch ihnen schlimmer dünkenals Morden. Wird es jemand in Europa einfallen, Kriegsverursacher zu verachten? Uns schachernden, wuchernden Juden ist jede Gewalttat nicht nur unsühnbares, himmelerschütterndes Verbrechen, sondern das Verabscheuungswürdigste, das Verächtlichste schlechthin. Der Ritter log nie, er hatte es nicht nötig, er prahlte vielmehr mit seinem Verbrechen. Er fürchtete niemand, er ward erzogen, Leben und Gut, das seinige und noch mehr das fremde, gering zu schätzen. Wir logen oft, in Todesfurcht, wir wucherten, hineingehetzt, wir lernten fürchten, weil wir vereinzelt, zerstreut uns nicht wehren konnten, und litten schwer, sehr schwer; und doch hat die Furcht vor der Gewalttat in uns nicht die tiefe Verachtung jeglicher Gewalt zu verdrängen vermocht. Wir preisen uns glücklich, daß wir nicht wie andere Gequälte zu bewundernden Anbetern der Macht, die uns peinigte, wurden. Sonst ist es nicht wahr, daß die Schwachen die Macht verachten (Nietzsche, neuerdings Scheler**), eher im Gegenteil, die wirklichen Verächter der *) „Bei dem Anblick von Jerusalem stiegen die Kreuzfahrer von den Pferden und entblößten ihre Füße, um als wahre Pilger an den heiligen Mauern anzulangen . . ., kaum aber hatten sie die Mauern überstiegen, so stürzten sie fort zu Raub und Blut: auf der Stelle des salomonischen Tempels erwürgten sie viele Tausend Sarazenen, die Juden verbrannten sie in ihrer Synagoge; die heiligen Stätten, an denen sie anzuhalten gekommen waren, befleckten sie erst mit Blut. Ein Widerspruch, der jenen religiösen Staat durchaus erfüllt und sein Wesen bildet." (Von mir gesperrt.) L.v. Ranke: Die römischen Päpste. **) „Das Ressentiment im Aufbau des Moralen" in „Abhandlungen und Aufsätze". Die wertvollen, tiefen psychologischen Einsichten dieses Buches, die ein Ergebnis quälerisch unbarmherziger Selbstbeobachtung zu sein scheinen, werden durch das so klar präzisierte »»Ressentiment" verdunkelt, das den Verfasser immer wieder zu spitzfindig-willkürlichen Schlußfolgerungen treibt. Der Hauptfehler dieser Abhandlung, die wesentlich gegen die jüdische Moral gerichtet ist, gegen das die christliche (?) ausgespielt wird, ist die Annahme einer dogmatisch absoluten Ethik, von der uns keine, auch nicht die feinsinnigste Haarspalterei überzeugen kann. Dies verleitet, verschiedene moralische Zustände, die einander s*nr gut bei einem und denselben Menschen ablösen können, als unverrückbare Typen des »»Vornehmen" und des „Gemeinen", des „Ressentiment-Geladenen" und des Christlich-Liebevollen festzustellen.

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