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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 8 · p. 507

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 8
Article
Der Preis
Date
1921-01-01
Page
507 (sequence 3)
Language
German
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Der Preis 507 wenn Deutschland andere Wege betreten soll, als die es in diesen Krieg geführt haben. Es wäre jedoch unrichtig, aus meinen Worten zu schließen, daß ich die deutschen Juden den deutschen Polen usw. vergliche. Sie sind ihnen nicht vergleichbar. Sie leben durchaus in deutscher Kultur, sie haben weder eine territoriale Geschlossenheit noch eine eigene Sprache noch sonstige nationale Sondergüter; sie haben nichts als ihre — zumeist, wie Scheffler hervorhebt, schon recht sehr „eingedeutschte** — Seele und ihre — zumeist zur Konfession erniedrigte — Religion. Aber auch das ist anscheinend noch zu viel, auch dieses Mindestmaß eines Gemeinschaftscharakters ist noch ein Hindernis für die Gewährung der „vollkommenen Gleichberechtigung**. Erforderlich hierzu ist nach Scheffler „die Aufgabe eines Teils der religiösen Empfindungen — jener Empfindungen nämlich, die den jüdischen Menschen mit einer mystischen Bedeutung umgeben*'. „Eines Teils der religiösen Empfindungen'*. Scheffler scheint ihn für einen sehr peripheren Teil zu halten, denn sonst würde er doch wohl an die Juden nicht die beleidigende Zumutung stellen, diese Empfindungen aufzugeben: diese zentralen Empfindungen. Die jüdische Religion hat nicht „in gewisser Weise", sondern in entscheidender Weise den jüdischen Menschen zum Gegenstand. Sie ist — das kann Rathenau und allen Apologeten des Judentums als eines Religionsminimums nicht nachdrücklich genug entgegengehalten werden — auf Gedächtnis und Hoffnung, das Gedächtnis des großen Schicksals als eines sinnvollen, die Hoffnung auf die Erfüllung seines Sinns in messianischer Zukunft, unabänderlich gegründet. Beides ist ins Menschheitliche emporgewachsen — das Einstige zum Sinnbild menschheitlichen WegSj das Kommende zum Dienst an menschheitlicher Erlösung —, beides kann sich dennoch, ohne seine Vitalität zu verlieren, von seinen volkhaften Wurzeln nicht abtrennen. Man kann diese „mystische Erhöhung der Rasse", wie Scheffler es nennt, richtiger diese innere Anschauung des Geschlechterzusammenhangs sub specie aeternitatis ebensowenig aus dem Judentum reißen, ohne seinen Bau zu erschüttern, wie die Person Christi aus dem Christentum. Wer sich nicht erinnert, daß Gott ihn aus Ägypten geführt hat, wer nicht den Messias erwartet, ist kein wahrhafter Jude mehr. Diese Erinnerung und diese Erwartung bilden jenen Teil unserer religiösen Empfindungen, dessen Aufgabe Scheffler als Preis für die „vollkommene Gleichberechtigung" fordert, die uns, wie er selbst erklärt, „nicht versagt werden kann". Nun denn, diesen Preis werden wir niemals, zahlen. Macht das deutsche Volk sich Schefflers Forderung zu eigen, so wird es in seiner Ungerechtigkeit und wir in unserem Mangel verharren, aber mit der Erstgeburt unserer Seele werden wir nicht zahlen. Deutsche Juden, die ihres Selbst vergaßen, mögen anders gesonnen sein, — das deutsche Judentum, das es täte, würde sich zum Untergang verdammen. Und die Begründung dieser Forderung? „Ein deutscher Jude", sagt Scheffter, „um ein Beispiel zu setzen, — der für die russischen Juden mehr empfindet als für alle anderen Russen, könnte leicht in Konflikt mit sich selbst und mit seinen Pflichten kommen, wenn er als höherer Staatsbeamter oder sonst in einflußreicher Stellung östliche Politik im Namen Deutschlands zu machen hätte. Der Selbsterhaltungstrieb der Nation müßte mit Recht zögern, großen politischen Einfluß einem Manne zu übertragen, von dem es zweifelhaft ist, ob er in einem 34*

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