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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 8 · p. 506

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 8
Article
Der Preis
Date
1921-01-01
Page
506 (sequence 2)
Language
German
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5o6 Martin Buber: bannt wurden, nur äußerlich verschieden ist, und es kommt ihm offenbar nicht in den Sinn, sich zu fragen, ob jene „geistig bedeutenden" Juden, die dem geliebten Deutschtum ihre Ehre zum Opfer bringen wollten, nicht am Ende, und gerade vom Gesichtspunkt des deutschen Ethos aus gesehen, als sittlich unbedeutend zu bezeichnen wären. Oder sollte ihm dies doch nicht ganz verborgen geblieben sein? Er erklärt nämlich weiter, aus jener Äußerung der geistig bedeutenden Juden gehe hervor, „daß viele Juden fühlen, es sei ratsam, diesen Beweis [eines guten Staatsbürgertums] vor der Nation und vor sich selbst zu erbringen". Ratsam — darin mögen jene richtig oder falsch fühlen, gleichviel, aber ich würde an einem, der sich in einer Frage innerster Seelenwahl davon bestimmen läßt, was ratsam ist, nicht gerade seine geistige Bedeutung bemerkenswert finden. Sollte es Scheffler damit wirklich so ganz anders gehen? Also Bekehrung zum Christentum ist es nicht, was er zur Bedingung für den Eintritt der vollkommenen Gleichberechtigung machen möchte. Sondern es ist die richtige Beantwortung zweier Fragen. „Die Fragen, die jeder Jude sich klar und unzweideutig beantworten muß, lauten: wenn ich ganz unbedingt ein Deutscher sein will, so muß ich in gewisser Weise aufhören, ein Jude zu sein, das heißt, an die übernationale Rassenkraft des Judentums zu glauben — kann ich das? oder so: darf ich mich innerhalb des deutschen Volkes noch als Angehöriger eines anderen Volkes fühlen? Nur wenn die erste Frage bejaht, die zweite verneint wird, kann es zu einer vollkommenen Gleichberechtigung kommen. . ." Der Grundirrtum Schefflers besteht in der — freilich noch immer weithin beliebten — Verquickung der Begriffe Staat und Nation. Die vollkommene Gleichberechtigung gebührt allen rechtschaffenen Bürgern des Staates, nicht aber darf sie von der „ganz unbedingten" Zugehörigkeit zu der im Staate herrschenden Nation abhängig gemacht werden. Müssen sich etwa auch die Sachsen in Siebenbürgen die Frage vorlegen: „wenn ich ganz unbedingt ein Ungar sein will, so muß ich in gewisser Weise aufhören, ein Deutscher zu sein, das heißt an die übernationale Rassenkraft des Deutschtums zu glauben — kann ich das?" oder genießen sie ihre Gleichberechtigung aus Versehen, da sie sich die Frage bisher ja nicht vorgelegt und demgemäß auch nicht bejaht haben? Wäre es etwa nach Schefflers Sinn, wenn das neue polnische Gemeinwesen die in ihm ansässigen Deutschen aufforderte, sich, ehe sie die Gleichberechtigung erlangen, darüber zu befragen, ob sie sich innerhalb des polnischen Volkes als Angehörige eines anderen fühlen dürften? Freilich, hinter den Siebenbürger Sachsen und den Lodzer Deutschen steht das mächtige Deutsche Reich ... — aber als Machtfrage will Scheffler die Judenfrage doch wohl nicht behandelt wissen? Ich sagte, die Gleichberechtigung dürfe nicht von der „ganz unbedingten" Zugehörigkeit zu der im Staate herrschenden Nation abhängig gemacht werden. Nun ist allerdings hierzulande die Fiktion verbreitet, es herrsche im Deutschen Reich nicht etwa bloß die deutsche Nation, sondern es gäbe nur sie darin, und alles dieser Fiktion Widerstreitende müsse ausgeschaltet werden; woraus sich, da es hierzulande nun einmal z. B. Polen gibt, z. B. die deutsche Polenpolitik ergab, deren Ergebnisse bekannt sind. Es ist nicht an mir, dieser Fiktion entgegenzutreten; Berufenere haben dargelegt, daß mit ihr aufgeräumt werden muß,

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