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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 8 · p. 505

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 8
Article
Der Preis
Date
1921-01-01
Page
505 (sequence 1)
Language
German
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DER PREIS Ein deutscher Schriftsteller, dem seine Schriftstellerei eine Sache nicht des Talents, sondern des Gewissens ist und dem die Worte, die er aufzeichnet und veröffentlicht, nicht von einer Stimmung, sondern von einer Gesinnung eingegeben werden, ein ernst zu nehmender Schriftsteller, Karl Scheffler, äußert sich in einer Erörterung der Kontroverse zwischen Trützschler von Falkenstein und Walther Rathenau*) dahin, man müsse sich nunmehr von deutscher Seite aus gründlich mit der Judenfrage befassen, denn „was einmal getan werden muß, kann nicht früh genug getan werden". Was ist denn aber dies, was einmal getan werden muß? Es ergibt sich aus Schefflers weiteren Ausführungen: die Juden müssen vor eine Entscheidung gestellt werden, von deren Ausgang es abhängen soll, ob ihnen die vollkommene Gleichberechtigung gewährt wird, „jene vollkommene Gleichberechtigung, die die Juden beanspruchen und die ihnen auch, nach dem Maße ihrer für Deutschland geleisteten Kulturarbeit und ihrer reichen Naturbegabung, nicht versagt werden kann". Es ist aus diesen Worten zu entnehmen, daß die vollkommene Gleichberechtigung von den Juden nach Schefflers Überzeugung mit Recht beansprucht wird: sie kann ihnen, so bekennt er, nicht versagt werden. Und doch wird sie, die nicht versagt werden kann, von einer Entscheidung abhängig gemacht? Wenn es Gerechtigkeit ist, daß sie den Juden zuteil werde, bisher unerfüllte Gerechtigkeit, darf deren Erfüllung an eine Bedingung geknüpft werden? „Wenn ihr diese Bedingung annehmt, werde ich euch Gerechtigkeit widerfahren lassen." Soll das deutsche Volk so zu den Juden sprechen? Trützschler von Falkenstein hatte den Juden geraten, sich zum Christentum zu bekehren; er hatte es ihnen nicht zur Bedingung für die Erlangung der Gleichberechtigung machen wollen, er hatte es ihnen nur aus Wohlwollen empfohlen. Auch Scheffler will den Übertritt nicht zur Bedingung gemacht wissen, weil diesem, wenn er nicht aus religiösen Gründen erfolgt, „nun einmal" der Makel der Gesinnungslosigkeit anhafte. Er will freilich auch nicht verschweigen, daß im Anfang des Krieges „geistig bedeutende Juden mehrfach den Entschluß geäußert" haben, „nach dem Kriege zum Christentum überzutreten", um sich »nachdrücklicher noch zum Deutschtum zu bekennen"; daß somit „das Bekenntnis zur christlichen Kirche [soll wohl heißen: zu einer christlichen Kirche] allgemein als eine Art von Legitimation, als öffentlicher Beweis eines guten Staatsbürgertums betrachtet wird". Er ahnt offenbar nicht, daß diese Betrachtungsweise von der eines früheren Zeitalters, als Protestanten von den katho- Hschen, Katholiken von den protestantischen Landesherren expropriiert und ver- '.*) „Glaubenspolitik", Die neue Rundschau, Oktober 1917, S. 1413—1416. Die Kontroverse *ni August-Septemberhsft des „Juden", S. 420—425, besprochen worden. Htft s. 34

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