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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 502

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 7
Article
Die Juden in der galizischen Landwirtschaft
Date
1921-01-01
Page
502 (sequence 5)
Language
German
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502 Daten und Materialien zeigten, unsere Kulturarten keine wesentlichen Abweichungen vom gesamtlandtäf liehen Schema. Die Zahl unserer landtäflichen Besitzer betrug 533 Juden, etwa 17% der ganzen derartigen Besitzerklasse; davon waren 488 Juden Besitzer von mehr als 200 Joch. Im einzelnen verteilten sich unsere 301619 ha Besitz auf folgende Besitzkategorien: Größe des Besitzes Jüdischer landtäflicher Besitz in ha Zahl der jüdisch. Besitzer Von je 1 oo ha jüd. Besitzes entfallen auf nachstehende Kategorien Latifundien (Fläche von über 53-930 4 17.9 Großgrundbesitz (Fläche von 2001 bis 5000 ha) . . . 49.367 17 16.4 Mittlerer Besitz (Fläche von 501 bis 2000 ha) ... 111.621 127 37.0 Kleinbesitz (unter 500 ha) . . 86.701 385 28.7 Zusammen: 301.619! 533 | 100.0 Es entfielen i7.9°/0 unseres Besitzers auf Latifundien; 16.4% auf den Großgrundbesitz; 37% auf den mittleren und 25.7°/0 auf den s. g. Kleinbesitz. Wir sind in diesen beiden letzten Besitzgrößen viel besser bestellt als die Nichtjuden, welche nur 32% mittleren und i54°/(, Kleinbesitz in ihrer Besitzgliederung aufweisen. Auch v/as die Entwicklungstendenz anbelangt, sind wir, soweit es sich wenigstens um den zitierten Zeitabschnitt handelt, den Nichtjnden voran. So hat zwar unsere Besitzfläche von r&Sg bis 1902 um 11% abgenommen; doch handelt es sich da um große Landverkäufe halb getaufter Barone, was naturgemäß nur ein winziger nationaler Schaden ist; unterdessen hat aber die Zahl der jüdischen Besitzer bedeutend zugenommen. Besonders im Kleinbesitz war diese Besitzvermehrung bedeutender. Bujak schildert diese Tatsache in folgendem Satz: „Die Juden okkupieren immer mehr die schwerste von der Szlachta verlassene Position"*). Jüdische Wirtschaftsweise und Genügsamkeit trägt hier den Sieg davon. Die günstige Entwicklung dieser Besitzform ist auch vom nationalen Standpunkt aus zu begrüßen, denn unsere „Kleingutsbesitzer" bilden nicht nur einen sympathischen Menschenschlag, der unsern strebsamen wohlhabenderen Mittelstand etgänzt} sondern auch einen guten nationalgesinnten Typus, der *) Fr. Bujak> Galicya. jüdisch fühlt und denkt, im Gegensatz zum Besitzertypus der höheren Stufen, der durchwegs der Assimilation zuneigt. Auch der jüdische Pächter verdient unser Interesse. Der jüdische Pächter ist für Galizien ein Wirtschaftssubjekt von unermeßlicher Bedeutung, und man kann wohl ohne Übertreibung sagen, daß ohne sein Zutun Galizien viel rückständiger geblieben wäre, als es heute noch ist. Denn was wäre wohl aus all den unermeßlichen Ländereien der flotten, lebenslustigen Szlachta*) geworden, wenn nicht der unermüdliche Fleiß und Unternehmungsgeist unserer „Pachtjuden" sich an die Arbeit gemacht hätte? Der Pachtjude hat diese öden Gebiete bewirtschaftet und kultiviert, Meliorationen durchgeführt und Wege instand gesetzt, kurzum sie für die Kultur gerettet; während der Besitzer sich gar nicht um die Wirtschaft kümmerte. Und der Dank dafür? In Galizien betragen die jüdischen Pächter ca. die Hälfte aller Landespächter und halten über die Hälfte des verpachteten Areals in ihren Händen, so daß man quasi von einer Monopolstellung der Juden auf diesem Gebiete sprechen konnte**), und das eben erregte den Unwillen der galizischen Machthaber. Und nun wird die Lage dieser jüdischen Berufsschicht, trotz der musterhaften, auchvonNichtjudenanerkannten Wirtschaftsmethode, immer ärger, und wir hörten vor dem Kriege immer häufiger von Ruin und Insolvenzen in diesen Reihen berichten. Was war die Ursache dieser Erschütterungen? Bujak, ein genauer Sachkenner, gibt darüber folgende Aufschlüsse: „Die Juden zahlen in der Regel einen höheren Pachtzins; zu 8—12 K pro ha mehr (als die Nichtjuden) . . und dann weiter: „in der letzten Zeit ereigneten sich unter den Juden viele Bankerottfälle, was beweist, daß die Grundbesitzer den vollen Reinertrag einheimsen."***) Überall dieselbe Erscheinung l Die Szlachta beginnt sich selbst für die Wirtschaft zu interessieren, und da sie den Juden jetzt nicht mehr so nötig braucht, wie früher, so werden natürlich alle Verdienste und Vorzüge der Juden vergessen und die Christen genießen den Vorzug ,. . wenn der Jude sein Judentum nicht mit 12 Kpro ha überzahlt. Trotz alledem hätten sich die Juden noch behaupten *) Der Großgrundbesitz nimmt noch heute 37°/0 des gesamten Landareals von Galizien ein, **) Die Zahl der jüdischen Pächter wurde in Galizien auf 783 angegeben. ***) Im zitierten Werke.

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