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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 501

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 7
Article
Die Juden in der galizischen Landwirtschaft
Date
1921-01-01
Page
501 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Daten und Materialien zeichnen, um nicht weniger als 2i°/0, und das alles, obwohl wir an Bevölkerungszahl um 60.542, somit um 7.5% zugenommen haben. Wo ist dieser jüdische Überschuß verschwunden? Im Jahre 1900 zählte das jüdische Volk in Österreich 72.4% an Industrie- und Handelsbevölkerung zusammen; H4°/0 entfielen auf die Landwirtschaft. Im nächsten Jahrzehnt verschob sich das Verhältnis um ein Bedeutendes. 24.8°/0 entfallen auf Industrie, 5i.8°/0 auf den Handel und nur 8.4% sind bei der Landwirtschaft geblieben. Die Verschiebung fand also mit der Richtung zum überfüllten jüdischen Handel statt — auf Kosten der Landwirtschaft. Ausschlaggebend ist auch hier Galizien, das allein etwa 3/4 dieser Verlustsumme d.i. 22627*) an landwirtschaftlich jüdischer Bevölkerung eingebüßt hat. Was ist die Ursache dieser Landflucht? Es kreuzen sich hier sowohl volkspsychologische wie volkswirtschaftliche Momente, die auf dasselbe Ziel hinsteuern. Der Jude ist mehr kulturempfindlich als jeder andere Volksstamm, und so offenbart sich bei ihm der „Zug in die Stadt" stärker als bei anderen. Speziell in Galizien kommt aber noch das wirtschaftliche, oder besser gesagt, das wirtschafts-politische Moment hinzu, welches eine wahre Verwüstung in unseren Reihen hervorruft. Alles geht darauf los, in erster Reihe das Dorf**) „judenrein" zumachen, und so wird auch die Landwirtschaft im Laufe der Zeit judenreiner. D azu gesellt sich eine Massenemigration aus den Kleinstädtchen, die doch auch dem landwirtschaftlichen Milieu nahestehen. Diese zwei Hauptgründe rufen bei jeder sozialen Schicht eine anders geartete Reaktion hervor. So reißt die Landflucht die stärksten Lücken in die Reihen der Berufspassiven (Angehörige) und setzt vor allem diejenigen Elemente in Bewegung, welche noch berufsmobil sind, d. h. noch vor der Berufswahl stehen, oder wenigstens mit ihrem Beruf noch nicht endgültig verwachsen sind. Es sind dies in erster Reihe die Halb- und Unerwachsenen, *) Diese Zahl ist eher etwas zu niedrig, denn wir rechneten für das Jahr 1900 mit den von Buzek angegebenen Zahlen, der die Dienenden zu den Berufszugehörigen nicht miteinrechnet. Doch betrug diese Differenz für ganz Österreich nur 841 Seelen. ■**) Hauptsächlich ist Westgalizien an der Landflucht beteiligt. welche beizeiten einen andern Beruf suchen. Landflüchtige Berufstätige gab es nur 3200 Seelen. Von den Berufsaktiven wieder wurden am meisten die Reihen der Taglöhner*) gelichtet, welche 6037 Seelen, also 72% ihres Bestandes eingebüßt haben. Andere bleiben weit hinter dieser Riesenziffer zurück. Zugenommen hat nur die Klasse der Mithelf ende n und der Angestellten. Wir fassen dieses Ergebnis in der nachstehenden Tabelle zusammen. Es waren in der jüdischen Landwirtschaft im ganzen Staate in den Jahren: Jahr Selbständige Angestellte Arbeiter Taglöhner Mithelf. Fam.- Angehörige Alle jüdisch. Berufstätigen 1900 I9IO 19227 18.797 I.89ö| 4.347 25271 4.166 8.284 2.247 23250 26067 57.004 53.804 Restiert Gewinn(-|-) oder Verlust {—) -430 + 63I -I8l -6.O37 + 2.817 — 3.200 In Prozent. -2.23 +33-27 -4.16 -7285 + 12.12 -561 Wir wären somit mit der allgemeinen Darstellung zu Ende, und da wir sonst über die Besitzverhältnisse der Juden keine zuverlässigen Daten haben, wollen wir nur noch zwei Typen aus der Selbständigenklasse herausgreifen. EssinddiesderjüdischeGutsbesi tzer und der jüdische Pächter; beide Wirtschaftssubjekte, was Galizien wenigstens betrifft, von großer Bedeutung. Auch da müssen wir uns einschränken, denn zuverlässige, wenn auch nicht mehr ganz frische Daten besitzen wir nur in bezug auf den sog. landtäflichen Besitz**), und da dient uns die ganz vortreffliche Arbeit von Buzek über den landtäflichen Besitz als Wegweiser. Die Juden besaßen 1902 in Galizien eine landtäfliehe Fläche von 301619 ha, was ca. io.34°/0 des gesamten landtäflichen Besitzes**) und 3.8°/0 des gesamten Landareals von Galizien ausmacht. Wir zählten als unser Eigentum 2.9% des gesamten Ackerlandes; 1.8% aller Gärten; 7.4% aller Wälder; 1.6% der Baugründe etc. dieses Landes. Im allgemeinen *) Auch in Gesamtösterreich hat die Zahl der landwirtschaftlichen Taglöhner um 23.oi°/0 abgenommen. **) Unter landtäflichem Besitz versteht man die früheren „Herrengüter", die in eigenen Grundbüchern geführt werden und noch heute mit politisch-administrativen Privilegien ausgestattet sind.

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