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Der Jude · 1921-01-01 · Heft 7 · p. 503

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 7
Article
Die Juden in der galizischen Landwirtschaft
Date
1921-01-01
Page
503 (sequence 6)
Language
German
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Daten und Materialien 503 können, wenn nicht die unselige gegenseitige Konkurrenz da wäre, welche den Szlachzizen Wasser auf ihre Mühle treibt. Wir können damit unsern statistischen Abschnitt schließen und nun auf eine allgemeine, speziell uns Zionisten interessierende Frage kurz eingehen; und zwar: wie wirtschaftet der galizische Jude im allgemeinen? Hat er sich in der Landwirtschaft bewährt und in welchem Maße? Wir enthalten uns eigener Meinungsäußerung und lassen da wieder Bujak mitsprechen, einen Mann, der keineswegs „an Judenfreundlichkeit krankt". Er sagt: ,,... Die Juden beginnen das Wirtschaften ohne Sachkenntnis... aber bald erwerben sie teils aus der Literatur, teils aus eigener Anschauung das nötige Wissen. In der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Dublany machen angeblich die Juden 8oü/0 aller Fragesteller aus; das beweist, daß die Juden rationell das Wirtschaften beginnen". Wir haben diesem wertvollen fachmännischen Urteil nichts hinzuzufügen. Wir sind mit dem, was man allgemein unter jüdischer Landwirtschaft versteht, zu Ende. Doch außer diesen, so zu sagen, beruflichen Landwirten gibt es in Galizien eine Reihe von jüdischen Nebenerwerbszweigen, die mit der Landwirtschaft im Zusammenhang stehen. Deren Zahl ist ziemlich groß. Speziell im galizischen Kleinstädchen ist fast jedes 4—5 jüdische Haus von einem Gemüse-, oder zuweilen auch Obstgarten umgeben, die, wenn sie auch nicht auf der Höhe der Gartenkultur stehen und leider auch nicht immer von jüdischen Händen gepflegt werden, doch immerhin eine richtige Nebeneinnahmequelle für den jüdischen Händler und Handwerker darstellen. Dasselbe gilt von der Viehzucht, und speziell die Geflügelzucht beansprucht die jüdische Pflege in hohem Grade. Diese Nebenerwerbsquelle ist sehr wichtig. Denn nach dem Kriege wird unser Mittelstand lange noch unter gesteigerten Lebensmittelpreisen und agrarischer Hochkonjunktur zu leiden haben, und es wird auch eine intensive Bearbeitung dieser Flächen ein Gebot der Selbsterhaltung sein; um soviel als möglich vom Eigenbedarf in eigener Regie decken zu können, wird alles aufgeboten werden müssen. Dieses Problem ist übrigens nicht nur wirtschaftlich von großer Bedeutung; denn auch vom zionistisch-kolonisatorischen Standpunkte aus ist es wichtig, sich auf diese Weise ein halbgeschultes Einwanderungselement zu schaffen, um so mehr als es sich hier durchwegs um Frauen- und Kinderarbeit handelt. Wir müssen daher dem Volke in diesen Bestrebungen beistehen. Durch Veranstaltung von Fachkursen in eigens dazu angelegten Mustergärten, Abhalten von Vorträgen und Demonstrationen im Gemüse- und Obstbau, Vieh-und Geflügelzucht, durch Anstellung von Wanderlehrern usw.; das alles aus eigener Initiative oder im Anschluß an die bereits bestehenden Landes- und Bezirksinstitutionen, könnten wir auf diesem Gebiete vieles leisten. Josef Tenenbaum Die Zahl der Juden in früheren Jahrhunderten Mit Staunen liest man (Der Jude, Jahrg. II, Heft 1/2, Seite 140) von Ruppin eine Aufstellung über die Zahl der Juden zu verschiedenen Zeiten seit dem Untergang des Staates. Auch als „rohe Schätzung" sind die angegebenen Ziffern in keiner Weise gerechtfertigt. Um nur eine wichtige Zahl herauszugreifen: Ende des 15. Jahrhunderts sollen angeblich zweieinhalb Millionen Juden in der Welt gewesen sein. Ich habe in meinem Aufsatze im Haschiloach XXV (1912), 611—618 über die Entwicklung der Judenheit die Gesamtzahl der Juden in der Welt um 1500 auf höchstens 600 000 berechnet. Die aus Spanien 1492 vertriebenen Juden, die sich in Italien, in Holland und der Türkei niederließen und in der folgenden Zeit den Grundstock der Gemeinden dieser Länder bildeten, berechnet Isidore Loeb — im Gegensatz zu der Übertreibung Abrabanels — auf 160000 Seelen. In ganz Nordeuropa gab es damals keine Juden. In Fr ankfurt am Main gab es unter ungefähr 9000 Einwohnern im Jahre 1440 eine Anzahl von 1436 Juden, in Mainz Ende des 13. Jahrhunderts nur 54 Familien, in Prag (nach einer Liste vom Jahre 1546) 976 Seelen. Das waren die angesehensten Gemeinden Mitteleuropas. In Polen begegnet man (wie M. Schorr erst jüngst in diesen Blättern II, 233 erwähnt) größeren Gemeinden im 15. Jahrhundert nur in Posen, Krakau, Kaiisch, Sandomir, Lublin, Lemberg; in Litauen, I5i4nur inBrest, Grodno, Luck, Troki, Wlodimir, Pinsk, Kobrin. In Wilna haben sich zwei Juden erst 1551 den Aufenthalt erwirkt. Nicht eine einzige der genannten Gemeinden hat damals die Bedeutung etwa von Prag gehabt und in allen zusammen nebst den sporadisch in kleinen Ortschaften Polens und Böhmens sowie in ver-

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