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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 459

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 7
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1920-01-01
Page
459 (sequence 3)
Language
German
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 459 Frühstück (Pidwarims) und die Jause (Wieczere). Er wird dafür von den Eltern jeden Monat (am Rosch chodesch) separat belohnt. In den 5 Wintermonaten vom Schluß des Sukkotfestes bis zum Wochenabschnitt „Mischpatim" (etwa Oktober-Februar) findet der Unterricht auch am Abend bis gegen 7 Uhr statt Die Beleuchtung stellen die Schüler her, indem jeder abwechselnd eine Kerze oder Petroleum mitbringt Am Sonntag des Wochenabschnitt „Mischpatim" hört der Abendunterricht auf. An diesem Tage veranstaltet der Lehrer bzw. dessen Frau (die Rebizin) ein Mahl (Seudah) für die Schüler, bei dem es stets lustig zugeht und der sonst ernste und strenge Lehrer sich herabläßt, mit den Kindern zu singen und sie nach Belieben tanzen und toben zu lassen. Die Kosten des Mahles tragen die Schüler, indem bald nach Beginn des Abendunterrichtes jedes der Kinder — nach Belieben — einmal in jeder Woche eine kleine Geldmünze in die im Cheder angebrachte, abgesperrte Büchse hineinwirft, die dann geöffnet und für den Inhalt die Speisen für die Seudah, „weil men hot aufgehert zigain ba Nacht" (hinzuzudenken: in den Cheder), angeschafft In der Talmud- Thora deckt die Öffentlichkeit die Seudahspesen. Die Schulferien dauern während des Pessach- und des Sukkotfestes je vierzehn Tage. Während der anderen Feiertage ist der Unterricht ebenfalls ganz unterbrochen. Auch an Samstagen wird die Schule nicht besucht Überdies gibt es noch Sondertage, an denen der Unterricht nur während des Vormittags erteilt wird u. z. am Freitag, an den Rüsttagen der Feiertage (Erew jomtow), an den Neumondsfesten (Rosch chodesch) und am Chanukah. Am Purim entfällt der Unterricht ganz. Die Absolvierung der ersten zwei Chederstufen (Lesen im Gebetbuch und Thora) ist für jeden Schüler obligat Das Aufsteigen in die höheren Stufen ist freiwillig. Doch muß der Schüler schon sehr talentlos sein oder ganz besondere Verhältnisse vorliegen, wenn ein Schüler wenigstens noch die dritte Stufe nicht besucht, wo er sich mit den Anfangsgründen des Talmuds bekannt macht, damit er einmal für das Seelenheil der Eltern einen Mischnahabschnitt (ein Perek Mischnajot) lernen könne. Ist ein Schüler besonders fähig und will sich in den talmudischen Disziplinen vervollkommnen, dann geht er, ohne Unterschied, ob reich oder arm, nach Absolvierung des Cheder bzw. der Talmud-Thora in die Jeschibah. Diesem wohl in erster Linie religiösen Motiven entsprungenen Bedürfnis der allgemeinen Volksbildung ist es zu verdanken, daß die Thora und die jüdische Wissenschaft nicht zum ausschließlichen Privilegium der reichen, vornehmen und gelehrten Familien geworden ist. Die Thora ist der öffentliche, jedem gleich zugängliche Brunnen, aus dem jeder nach Belieben trinken kann. Dieser Zug ist echt jüdisch-demokratisch und schon in der älteren Tradition begründet „Rüste dich, Thora zu lernen, denn sie ist nicht erblich.", bemerkt der Talmud (Abot II, 12) den stolzen Gelehrtenfamilien, und „Habt acht auf die Kinder der Armen, denn von ihnen kommt die Thora", ruft der Talmud Eabli Nedarim 81,1) den Wohlhabenden und Reichen zu. Mit dem ersten Schulgang legt das Kind zum ersten Male die „Arba kanfot" (Zizit-Schaufäden) an als Symbol der ersten teilweisen Unterwerfung unter die Gebote der Thora. Das erste Gebet bzw. Bekenntnis, das lautet: „Die Thora,

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