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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 447

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 7
Article
Die wirtschaftliche Bedeutung des Zionismus in der Türkei
Date
1920-01-01
Page
447 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Die wirtschaftliche Bedeutung des Zionismus für die Türkei 447 immer wieder gegen die jüdische Einwanderung und die sich anschließende jüdische Kolonisation geführt wird*). Es wird behauptet, daß durch das jüdische Kolonisationswerk die eingeborene Fellachenbevölkerung expropriiert, von der Scholle vertrieben werde, somit eine Ausbreitung des jüdischen Besitzstandes verbunden sei, verbunden sein müsse mit einer Verdrängung des arabischen Elements. Diese Vorwürfe bildeten schon einmal Anlaß zu Verhandlungen im türkischen Parlament und fanden bereits dort die gebührende Zurückweisung. Die Zeitschrift Palästina — Jahrgang 1911 —, der ich dies entnehme, bringt eine Tabelle, die zeigt, von wem die jüdischen Kolonien erworben worden sind. Die Angaben werden folgendermaßen zusammengefaßt: „Von den 28 bestehenden Kolonien konnten also für 20 im Ausmaß von 235491 Dunam die betreffenden Daten verschafft werden. (Die acht anderen Kolonien umfassen bloß 44000 Dunam.) Diese Daten beziehen sich also auf 84 °/0 des von den Juden kultivierten Terrains. Es geht aus ihnen hervor, daß von den 235491 Dunam nicht weniger als 218091 Dunam, daß sind 92,6% von Großgrundbesitzern, und nur 17400 Dunam, daß sind 7,4 °/0 von Bauern (Fellachen) erworben wurden." Die jüdische Einwanderung geht also nicht auf Kosten der arabischen Fellachenbevölkerung, sondern auf Kosten der Großgrundbesitzer. Diese ließen in den meisten Fällen den Boden unbenutzt — so u. a. in Rischon le Zion, Bir Jakob, Rechobot, Sedschera usw. — oder benutzten ihn zur Viehweide und zu ganz extensivem Getreidebau. Dies ist u. a. darin begründet, daß ein großer Teil des palästinensischen Bodens nur für Pflanzungen geeignet ist, und die Araber vor der jüdischen Einwanderung kaum zu seiner Bewirtschaftung fähig waren. Schon bei dieser Feststellung können wir erkennen, daß die jüdischen Interessen den türkischen Reformproblemen parallel laufen, wie denn auch die wissenschaftliche Arbeit auf landwirtschaftlichem Gebiet, die von den Juden erfolgreich begonnen wurde, die notwendige Voraussetzung für eine Intensivierung der palästinensischen Landwirtschaft ist. Und die Schaffung neuer Industrien? Der Osmane selbst ist kein Industrieller; vielleicht wird er es nach Jahrzehnten sein; doch er hat jetzt mit den ersten Jahren nach dem Kriege zu rechnen. Europäische Tätigkeit in größerem Maßstabe lehnt er ab; türkische Zeitungen haben dies bereits im Kriege mit großer Deutlichkeit ausgesprochen. Die Eignung der Juden für industrielle Betätigung brauchen wir nicht zu erweisen; die Wirtschaftsgeschichte der ganzen Welt bestätigt sie uns. Die Türkei kann kein Bevölkerungselement finden, das ihr in dieser Frage bessere, uneigennützigere Dienste zu leisten gewillt wäre, als die Juden. Die Maßnahmen, die die Türkei nach dem Kriege zum Ausbau ihres staatlichen Lebens durchzuführen gedenkt, und die Bestrebungen des Zionismus stimmen demnach in allen wesentlichen Punkten überein und es ist auch nicht anzunehmen, daß durch die Türkei den einwandernden Juden besondere Schwierigkeiten erwachsen werden; die Schwierigkeiten für den Zionismus liegen auf *) Unter anderen von Herrn Professor Dalman, dem Herausgeber des Palästina-Jahrbuchs, im 12. Jahrgang 1915, S. 132: „Einer solchen Macht gegenüber (— gemeint ist das Jüdische Kapital —) kann der Bauernstand sich nicht halten und muß, obwohl die Kolonien ihm auch Arbeit und Verdienst schaffen, zu einer abhängigen Helotenschaft herabsinken."

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