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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 446

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 7
Article
Die wirtschaftliche Bedeutung des Zionismus in der Türkei
Date
1920-01-01
Page
446 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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446 Fritz Sternberg: in Paläsitna lebenden Juden, wie Altenhäuser, Hospitäler, Suppenküchen, Waisenhäuser, Schulen, werden von Europa unterhalten. Der Gesamtbetrag der Gelder, die von jüdischen Vereinen und von Verwandten zur Unterstützung nach Palästina gesandt werden, dürfte jährlich mindestens 5—7 Millionen Fr. betragen. Dazu kommt noch, daß in den letzten 3 Jahrzehnten Juden aus Europa sich in Palästina auch als Bankiers, Kaufleute oder Landwirte angesiedelt und entweder eigenes Kapital mitgebracht oder von jüdischen wohltätigen Anstalten erhalten haben. Man wird die hierdurch erfolgten Geldeingänge in den letzten Jahren vor dem Kriege auf nicht weniger als 3—5 Millionen Fr. jährlich zu schätzen haben. Der Gesamtbetrag, der den Juden in Palästina aus dem Auslande zufließt, beträgt hiernach etwa 10 Millionen Fr." Also etwa 10 Millionen Francs flössen jährlich in das Land, und wir müssen immer bedenken, bei einer jüdischen Bevölkerung, die kaum mehr als 100000 Seelen betrug; die günstigen finanziellen Folgen, die sich hieraus für die Türkei ergeben, werden sich bei einer verstärkten jüdischen Einwanderung nach dem Kriege noch steigern und wie wir glauben, mehr als proportional. Auch auf diese Dinge können wir hier nur kursorisch eingehen. Wir wissen, daß der Zionismus während des Krieges in Amerika eine wesentliche Steigerung erfahren hat; die Konsequenzen dieser Tatsache sind noch gar nicht abzusehen. Für unsere Problemstellung ist es von Wichtigkeit, daß auch die amerikanische Finanzwelt sich immer weniger nationalen Gedankengängen verschließt, somit der finanzielle Beitrag Amerikas für das palästinensische Werk — der schon im Kriege eine erfreuliche Steigerung erfahren hat — sich nach dem Kriege bedeutend vergrößern dürfte. Dasselbe gilt von Rußland. Dort kann sich der früher so bekämpfte Zionismus ungehemmt vom Kosakenregiment entfalten. Und daß er es tun wird, dessen sind wir seit den jüngsten Ereignissen nach der russischen Revolution gewiß. Der russische Zionismus hat mit stärkster Aktivität in die politischen Verhältnisse eingegriffen, und seine Anhängerschaft wächst stündlich. Während vor dem Kriege die Zahl der Schekelzahler 26000 betrug und sich im Kriege auf die Hälfte reduzierte, beteiligten sich jetzt an den Wahlen zur russisch-zionistischen Konferenz 140000 Schekelzahler; also gibt es schon jetzt in Rußland so viele organisierte Zionisten, wie in den letzten Jahren vor dem Kriege auf der ganzen Welt. Aber auch in Westeuropa bricht sich der nationale Gedanke immer mehr Bahn, und auch die Kreise, deren Verhältnis zum Judentum bisher in der Mitgliedschaft wohltätiger Vereine bestand, werden sich, nachdem ihnen die Objekte ihrer Tätigkeit in Rußland und wohl auch bald in Rumänien entzogen sind, mehr als bisher der Unterstützung des palästinensischen Kolonisationswesens widmen. Aus guten Gründen also können wir auf eine starke Steigerung der finanziellen Eingänge nach Palästina rechnen, die — im Verein mit der Erhöhung der Steuern und Zölle — auch das Budget des türkischen Staates bedeutend entlasten werden. IV. Wie ist nun das Verhältnis des jüdischen Einwanderungselements zu den Reformen, die die Türkei zur Gesundung ihres Finanzwesens durchzuführen gedenkt, also insbesondere zur Intensivierung des Bodens, zur Schaffung neuer Industrien? Wir wollen zunächst auf die Bodenfrage eingehen. Hier sei vor allem einem Vorwurf begegnet, der, obwohl bei näherer Prüfung absolut grundlos,

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