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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 5-6 · p. 377

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 5-6
Article
Emanzipation und Machtwille im modernen Judentum
Date
1919-01-01
Page
377 (sequence 7)
Language
German
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Emanzipation und Machtwille im modernen Judentum 377 nalen Willens vor, die es wohl abzubiegen, aber doch im wesentlichen zu beseelen, zu verinnerlichen, zu verklären gilt, sondern er stößt auf eine gewaltige Machtauswirkung, die es zu brechen, ihren innersten Antrieben nach zu revolutionieren und zu fast übermenschlichen Verzichten zu nötigen gilt. Ich vertraue fest, daß er größere Erfolge bei seiner Werbung um die jüdische Seele haben wird, als man ihm gemeinhin zutraut. Aber er wird auch auf erbitterten Widerstand stoßen und erfahren müssen, wie sich die unermeßlichen Machtmittel der eignen Nation wider ihn richten werden. Aber gerade dieser Widerstand wird ihm die Kräfte stählen, den heiligen Eifer wachhalten und ihn vor der Veräußerlichung bewahren, der der Panslawismus so früh anheimgefallen ist. Einstweilen haben jene, die Weltjuden, die Macht über die Erde und sind nicht gesonnen, sie aus der Hand zu geben. Schon Dostojewskis Seherauge sah voraus, daß sie aus einer großen europäischen Katastrophe mit Machtzuwachs hervorgehen würden. Wie ein großes Netz, das sich unmerklich verdichtet, so schlingt sich die Macht der angleicherischen Judenheit um den ganzen Erdball, und wohin wir auch den Fuß setzen, verstricken wir uns in seine Maschen. Es hat keinen Sinn, sich dieser Tatsache zu verschließen. Aber diese Einsicht darf unsere Kraft nicht lähmen, sondern soll sie stählen. Nicht gegen das Judentum werden wir kämpfen, mit ihm können wir wetteifern wie mit der englischen, französischen, russischen Kultur: aber wir müssen kämpfen bis zum letzten Blutstropfen gegen die verhohlene Verjudung des Europäismus und vor allem des Deutschtums, wie sie am üppigsten in einer internationalistischen, von völkischen Bindungen unbetroffenen Kulturlage wuchert. Und wenn in diesem Kampf selbst echte kulturelle Werte in Scherben zerspringen: es wird uns schmerzen, aber wir dürfen nicht zaudern und irre werden: die Sorge um den.mütterlichen Schoß des Volkstums duldet nicht die geschmäcklerische Vorliebe für reizvolle Bastardbildungen der Kultur, so sehr ihr Reiz uns immer wieder betören möchte. Es steht also auch hier, auf der gegenwärtigen Stufe des europäischen Lebens im Gröbsten wie im Feinsten: Macht gegen Macht. Was war es, das diesen Kampf so vergiftete, zu so unerfreulichen Waffengängen führte? Nichts anderes als die Leiblosigkeit des jüdischen Machtwillens und die daher rührende Unaufrichtigkeit der Machtauseinandersetzung. In einem Zeitalter, wo die europäischen Nationen sich schieden, sich auf sich selbst stellten und ihrem Machtwillen in sichtbar umgrenzten Staaten einen Leib gaben, hatte das Judentum wie der Zauberer im Märchen vom gestiefelten Kater die unheimliche Fähigkeit, blitzartig die Gestalt zu wechseln und dabei dauernd seine Substanz zu verleugnen. Die Judenheit war und blieb eine Nation, aber sie gab sich nirgends als eine solche. Überall spürte man ihre Macht und nirgends war sie zu greifen. Sie bewährte völkische Solidarität wie kaum ein anderes Volk, aber sie bekannte sich nie zu ihr. Gerade dies Verhalten der assimilatorischen Judenheit bedeutete und bedeutet für uns die denkbar größte Aufreizung. Aus ihr mag der Zionist, der uns — so sollte man meinen — an diesem Punkt müßte verstehen können, aus ihr mag er viele der Äußerungen auch des Vulgärantisemitismus zu begreifen suchen, die uns und ihn gleichermaßen abstoßen. Erst der Zionismus hat hier ernstliche Abhilfe geschaffen. Er bedeutet einen Appell an die völkische Ehrlichkeit der Judenheit, der nicht ungehört verhallen wird. Aber es entstehen damit neue Verwicklungen. Der national bewußte Jung-

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