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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 5-6 · p. 360

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 5-6
Article
Deutschtum und Judentum
Date
1919-01-01
Page
360 (sequence 3)
Language
German
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36o Jakob Klatzkin: unterschätzt ja nicht diese Tatsache, die er allerdings schmerzlich bedauert: „So ist es aber gekommen, daß nach Kant Spinoza die innere Führung des Geistes erlangte" (Die religiösen Bewegungen der Gegenwart, S. 20). Cohen hebt noch ein Merkmal des deutschen Idealismus hervor: die Humanität. Damit wird der deutsche Geist durch den Begriff der Menschheit mit dem Judentum in eine weitere innere Beziehung gesetzt. Und die französische Humanite? Cohen erwidert: „Was den deutschen Begriff der Menschheit von der Humanite der französischen Revolution unterscheidet, das besteht in der ethischen Begründung. Die Menschheit des Deutschtums allein ruht auf dem Grunde der Ethik" (D. u. J., S. 28). Aber an einer anderen Stelle sagt er: „Und bei dem Zusammenhang und Einklang mit der vorbildlichen Ethik des neuen Weltalters, das mit der französischen Revolution begonnen hat, dürfen wir für beide (Recht und Kulturmacht) zugleich Trost und Hoffnung fassen" (Innere Beziehungen der Kantischen Philosophie zum Judentum, S. 61.) 2. Den Idealismus des Judentums ermittelt Cohen in den Begriffen der Einzigkeit, der Reinheit der Seele („Mein Gott, die Seele, die du mir gegeben hast, ist rein") und der Versöhnung des Menschen mit Gott als der Erlösung des Menschen von der Sünde. Andererseits beruht nach Cohen auf denselben Begriffen der Gegensatz zwischen Judentum und Christentum. Wenn sie aber das Judentum vom Christentum scheiden, so scheiden sie das Judentum auch vom Deutschtum; ist doch nach Cohen das Christentum die Quelle des Deutschtums. Liegt nicht hier ein offenbarer Widerspruch vor? Cohen sieht im jüdischen Begriff der reinen Seele einen Gegensatz zur christlichen Lehre von der Sünde. Er sagt: „Und wundern darf man sich vor allem nicht darüber, daß der Haß der Menschenverächter und Selbstvergötterer vorab die Juden betrifft: die wir niemals die Erbsünde anerkannt haben, sondern in unserem täglichen Morgengebete für die Reinheit der Seele Gott danken. . . Heilig ist der Mensch nicht. Die Heiligkeit eines Menschen gilt nur als Blasphemie. Aber rein ist der Mensch, seine Seele ist rein" (a. a. 0. S. 56). Und ein anderes Mal: „Die Reinheit des Herzens ist das Fundament der Gesi nnung, und diese wird als ein besonderer Vorzug des Christentums behauptet. In dem Erleben will man nun jetzt dieser Gesinnung den tiefsten Grund gegraben haben. Indessen zeigt sich wiederum die schroffe Differenz. Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. So wird mit der Seligkeit das reine Herz verbunden. Dagegen bittet der Psalm um das reine Herz für die Erneuerung des Lebens. „Ein reines Herz erschaffe mir, Gott, und einen festen Geist erneuere in meinem Innern." Es ist hiernach das reine Herz und der feste Geist die Aufgabe einer Schöpfung und einer unaufhörlichen Erneuerung; nicht aber ein Besitz, weder im Diesseits noch im Jenseits . . . Auch als Paraklet der Gesinnung darf uns nicht die Idee des Menschen, mithin kein Christus als Vorbild gelten; in Gott allein, daher im Vertrauen auf ihn wurzelt die Kraft zum unaufhörlichen Ringen nach reiner Gesinnung" (Die rel. Bew. d. Gegenw., S. 17). Vgl. auch Cohens Ausführungen über den christlichen Begriff der ewigen Verdammnis (Rel. und Sittl, S. 52) und über den jüdischen Glauben an die Kraft des Menschen, sich von der Sünde zu reinigen (Der Begr. d. Rel., S. 104). Über den Begriff der Erlösung und der Versöhnung sagt Cohen:

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