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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 5-6 · p. 359

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 5-6
Article
Deutschtum und Judentum
Date
1919-01-01
Page
359 (sequence 2)
Language
German
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Deutschtum und Judentum 359 Gewissen der Philosophie und der Wissenschaft" ist, nur der deutschen Philosophie eigen ist und jeder anderen, z. B. der französischen Philosophie abgeht. Er verweist auf die Lehren von Nicolaus von Cues, Leibniz, Kant. Aber da stoßen wir gleich auf eine einfache, aber schwerwiegende Frage: Und Hegel? Warum wird dieser große Denker nicht zu den deutschen Philosophen gezählt? Die Antwort ist klar: da Hegel nicht Idealist — im Cohenschen Sinne — ist, kann er nicht als ein Vertreter deutscher Philosophie betrachtet werden, welche nach der Voraussetzung im Idealismus begründet ist. Das ist ja die reinste petitio principii. Cohen verurteilt Hegel wegen des Lehrsatzes: „Was vernünftig ist, das ist wirklich" und sagt: „Hier zeigt sich der himmelweite Unterschied zwischen Hegel und Kant, denn Kant würde sagen: Was vernünftig ist, das ist nicht wirklich, sondern es soll wirklich werden. DerUnterschied zwischen Sein und Sollen unterscheidet nicht nur allgemein zwei Welten, sondern hernach auchdie Weltanschauung der pantheistischen Metaphysik und der des ethischen, weil des theoretischen Idealismus" (Eth. des reinen Willens, S. 314). „Das ist der Grund und die Wurzel des Materialismus, in welchem der Materialismus der Geschichtsansicht gegründet ist, welche zum tiefen Schaden alle sozialistischen Gedankenkreise beherrscht" (Eth. d. r. W., S 239). „Der Materialismus der Geschichtsansicht ist der schroffste Widerspruch zu dem ethischen Idealismus" (Rel. u. Sittlichkeit S. 16). Darf aber Cohen einen Hegel aus der deutschen Philosophie streichen? Kann er den mächtigen Einfluß der materialistischen Geschichtsansicht auf die deutsche Denkart bestreiten? Und die historische Rechtsschule mit Savigny an der Spitze — der Staat sei „die leibliche Gestalt der geistigen Volksgemeinschaft", „die organische Erscheinung des Volkes" — wie will Cohen diese Schule aus der deutschen Wissenschaft ausschalten? Oder kann er sie in den von ihm definierten deutschen Idealismus einreihen? Sagt er ja von ihr: „Die historische Rechtsschule wurzelt in einem Naturalismus, der sich nach der üblichen Art des Spiritualismus als solcher ausstattet und darstellt" (Eth. d. r. W., S. 238). Und Schopenhauer? Gehört er nicht in die deutsche Philosophie? Freilich sagt Cohen: „Daß Schopenhauer den Optimismus verrucht nennen konnte, dieses eine Wort deckt die Leere der ethischen Gesinnung auf, die in der politischen Gesinnung dieses Mannes an den Tag kommt" (Eth. d. r. W„ S. 280). Hat aber Cohen das Recht, große deutsche Denker, die nicht in seinem Sinne Idealisten sind, aus der deutschen Philosophie zu verweisen? Und Nietzsche mit seiner Lehre vom Ich und vom Willen zur Macht? Gar viele finden in ihr den echten, von fremdem Beiwerk befreiten nationalen Ausdruck der deutschen Geistesrichtung. Jedenfalls kann man einen Nietzsche nicht aus der deutschen Philosophie wegleugnen. Und Spinoza, „der auch an der Formel keinen Anstoß nahm, daß das Recht mit der Macht identisch sei" (Eth. r. W. S. 436); der Vater des philosophischen Pantheismus, von dem Cohen wiederholt sagt, daß er den größten Gegensatz zum ethischen Idealismus bilde (s. die Kapitel „Das Ideal" und „Die Idee Gottes" in der Eth. d. r. W.) — wie umfangreich und tief ist doch die Einwirkung der spinozistischen Weltanschauung vorzugsweise auf den deutschen Geist, au seine Philosophie -iStesWissenschaften und Poesie? Cohen selbst

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