Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 346 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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346 Samuel Rappaport: Aus dem religiösen Leben der Ostjuden ungekannte aber glücklich empfundene Welt versetzt „Du hie sendussu deduwid malkuh meschichuh!" („Das ist das Mahl König Davids des Gesalbten") klingt es feierlich aus dem Munde aller Anwesenden. Bei tiefer Dunkelheit werden in schwärmerischen poetisch hinreißenden Versen die Treue und die Heiligkeit Israels und seiner Braut der Prinzessin Sabbat besungen. Im gemeinsamen Chor wird der — vielleicht schönste und tiefste — Psalm 23 sowie die mystisch schwungvollen Verse R. Jizchak Lurjas vorgetragen. Die Worte werden hier erst richtig verstanden und empfunden. Ihr Inhalt ist reicher und erhabener als der, den der gewöhnliche Leser oder sogar der wissenschaftliche Forscher in ihnen findet. Nur wer an einem solchen „Schalosch seudot" teilgenommen hat, kann dessen Bedeutung und innere Kraft ermessen. Unsichtbare aber gewaltig wirkende, lebenspendende Imponderabilien, die wir zwar nicht verstehen aber in den Tiefen unseres Herzens mächtig empfinden, spielen da auf den zarten Saiten der menschlichen Seele. In diesem „Schalosch-seudot-Dunkel" fühlt sich das von einer heiligen verzückten Stimmung hingerissene Individuum aus seinem persönlichen Ich erhoben und in eine höhere, von reinem unendlichen Glücke erfüllte Welt getragen, in der die von jedem Schmerz und Leiden wie von allen niedrigen Sünden befreite Seele hinter dem Vorhang der Materie mit den Augen der „Neschamah jeterah" das Ewige und Unendliche, die Herrlichkeit Gottes zu schauen glaubt. Das „Schalosch seudot" dauert oft bis tief in die Nacht. Der Sabbat wird, der Vorschrift gemäß, weil über die Tagesgrenze hinausgeschoben. Man trennt sich von ihm ungern wie von etwas Liebem und Teuerm. Ist das „Schalosch seudot" beendet und das Abendgebet verrichtet, dann wird Licht gemacht und das lustige „Hamabdil" wie das elegische „Elijahu hanabi"-Lied gesungen. Der Sabbat ist zu Ende. Die sorgenvollen Werktage haben wieder begonnen. Die „Neschamah jeterah" ist wieder in ihre Heimat, die lichten Höhen, zurückgekehrt, um am nächsten Freitag wiederzukommen. In chassidischen Kreisen wird zu Ehren der scheidenden Königin Sabbat noch ein Geleitmahl, das sogenannte „Melaweh malka" im Kreise der Familie, beim Zaddik oder einer anderen chassidischen Persönlichkeit bei größerer Beteiligung veranstaltet. Es wird hier der traditionelle „Barszcz" (Suppe aus gesäuerten roten Rüben), mit Kartoffeln und Rindfleisch zusammen gekocht, sowie etwas Getränk, Wein oder Bier gereicht. Beim Mahle werden lustige Weisen und sowie Hymnen, alle religiösen Inhalts mit hebräischem Texte gesungen. Die Lieder Lieder werden mitunter auch tanzend vorgetragen. Die Anwesenden gruppieren sich zu einem Kreise (sog. Dreidel) und singen, während sie sich tanzend im Kreise bewegen. Die neuesten, von der Wallfahrt zum Zaddik mitgebrachten „Nigunim" (Melodien) werden im Kreise zum besten gegeben. Oft aber, wenn die Stimmung schon eine sehr gehobene ist, werden auch manche Lieder in jiddischer Sprache von den Schmausenden gesungen. Ich will z. B. eines dieser Lieder hier mitteilen. Es ist dies gewissermaßen ein Trinklied zu Ehren der „Neschamah jeterah" und des Sabbat. „Der Schabbes kojdesch Die wochedike Tag. Is gigangen sein Weg. Die Neschumeh jeseireh Si senin schojn gikimmin Hot farlost dem Gif