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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5-6 · p. 347

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 5-6
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1918-01-01
Page
347 (sequence 8)
Language
German
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S. L. Zitron: Zur Geschichte der „Zionsliebe" 347 In is gigangen Werd sie*) doch In Himmel arif. Mehr bei inz nischt san. Oj Schabbes! Trinkt sehe doch Brüdarlech, Singt sehe Jüdalech „Schabbes"! Trinkt zi Glesalech Wan»" A ganzi Woch Dies Lied hat eine eigene charakteristische chassidische Melodie. Das „Melaweh Malkeh" dauert oft bis nach Mitternacht und ist von Frohmut und von jugendfrischer Heiterkeit erfüllt. Man versteht nun, wie nach Sabbatausgang der Ostjude seelisch gestärkt und heiteren Sinnes seinem mühevollen Tagwerke entgegengeht Erhobenen Hauptes blickt er auf die Welt der Sünde und der brutalen Gewalt. Besitzt er doch als Jude einen Schatz, der alle Herrlichkeiten dieser Welt an Wert über trifft: seine Emunah (Glaube) und seine stolze Ahnenreihe: Abraham, Jizchak und Jakob. z. Zt. Baden bei Wien Samuel Rappaport ZUR GESCHICHTE DER „ZIONSLIEBE" Nicht viele wissen, daß die Wiege der ,,Zionsliebe"-Bewegung (Chibat-Zion), die ihren realen Ausdruck in der Besiedlung Palästinas findet, in Deutschland gestanden hat. Hier, in Deutschland, hatte der palästinophile Gedanke seine ersten Theoretiker und Begründer, hier auch seine ersten Agitatoren und praktischen Arbeiter. Zum Unterschied von der ähnlichen Bewegung, die 25 Jahre später unter den russischen Juden entstand und dort überwiegend die intellektuellen Kreise erfaßte, war die deutsche Chibat-Zion seinerzeit, Ende der 50er Jahre des XIX. Jahrhunderts, eine ausschließlich gesetzestreue Schöpfung: der gesetzestreue Geist hat sie geboren, auf gesetzestreuen Anschauungen und Tendenzen entwickelte sie sich und gesetzestreue Hände arbeiteten für ihre Verwirklichung. Diese orthodoxen Anhänger der Chibat-Zion in Deutschland waren aber nicht Menschen von ein und demselben Schlage, von gleichen Gesinnungen und Tendenzen. Zumeist gehörten sie jener trockenen und blutarmen Orthodoxie an, die sich in allem auf den Buchstaben stützt und deren ganzes Streben auf Vorschriften fußt. Diese Orthodoxen, die ihren hervorragendsten Vertreter in R. Hirsch Kalischer fanden, sehnten sich nach Palästina, nur um die Möglichkeit zu erlangen, den Tempel aufzubauen, wieder die Opfer darzubringen, die in der Thora vorgeschrieben sind, und überhaupt, um alle „vom Lande abhängigen Gebote" erfüllen zu können, die in der Diaspora nicht erfüllbar sind. Die Orthodoxen von der Schule Kalischers betrachteten die ganze Sache der Besiedlung Palästinas als eine rituelle Angelegenheit, um die sich jeder gottesfürchtige Jude kümmern muß. Es gab aber auch, wiewohl in geringer Zahl, andere Orthodoxe, die, von religiöser Romantik und mystischer Sehnsucht beseelt und im Besitz eines echten Gefühls für den tiefen Schmerz der jüdischen Seele, sich an den palästino- ) Sc. die Neschamah jeterah.

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