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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5-6 · p. 333

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 5-6
Article
Armenwesen und soziale Fürsorge im Ostjudentum
Date
1918-01-01
Page
333 (sequence 13)
Language
German
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Armenwesen und soziale Fürsorge im Ostjudentum 333 waren diese Talmud-Thoraschulen wohl die einzige Art eines öffentlichen jüdischen Schulwesens, denn die traditionellen Chadarim waren immer Privatanstalten. Erst in den letzten Jahrzehnten trat ihnen ein modernes öffentliches Schulwesen an die Seite, bestehend aus Regierungs-Elementarschulen, die aber nichts Jüdisches an sich haben, und die in zahlreichen besseren Gemeinden ins Leben gerufenen öffentlichen Reform-Chadarim. Die JCA'schen Ermittelungen ergaben 1899 für 15 Gouvernements folgendes Zahlenbild: Zahl der jüdischen Schulen Regierungs¬ Talmud- Andere öffent¬ Insschulen Thorot liche Schulen gesamt Nordwest 79 30 9 39 Südwest 17 36 6 42 Süd 17 28 30 58 Insges. in 15 Gouvernements 113 94 45 139 Privatschulen Insgesamt Nordwest 101 219 Südwest 157 116 Süd 134 209 Insges. in 15 Gouvernements 392 544 Ein weiteres Eingehen auf die Bedeutung und die inneren Verhältnisse des ostjüdischen Talmud-Thorawesens würde aus dem Rahmen dieser Arbeit fallen. Dies gehört eher in den speziellen Rahmen einer Erörterung des ostjüdischen Schulwesens. Es sei nur kurz bemerkt, daß diese Armenschulen, noch vor wenigen Jahren infolge schlimmster Verwahrlosung sowohl in pädagogischer wie in sanitärer Hinsicht ein überaus trauriges Bild bietend, in den letzten Zeitläuften in allen Ländern des Ostjudentums, im russischen Reiche sowohl wie in Galizien und Rumänien, eine durchgreifende Reform und Ausgestaltung erfahren. Namentlich in besseren mittleren und größeren Städten — von den Großstädten nicht zu reden — übertreffen diese öffentlichen „Armenschulen" schon heute in Bezug auf Organisation und die pädagogischen und sanitären Anforderungen die privaten Chadarim, auch die „Reform-Chadarim" bei weitem, und bieten vielfach ein sehr erfreuliches Bild. IV. „Hekdesch"- und Hachnassat-Orchim"-Anstalten. Die Hekdeschanstalten sind wesentlich Armenhäuser, dienen aber auch vielfach als Altersheime. Außer einer bestimmten Zahl beständiger Pensionäre, beherbergt der „Hekdesch" vorübergehend große Massen von Wanderarmen. So bildet das Hekdeschhaus den Sammelpunkt des gesamten niedrigen Bettlerstandes. Hingegen bilden die Hachnassat-Orchim-Anstalten vorübergehende Herberge für die besseren Wanderarmen, so für „Jordim" (Herabgekommene), „Magidim" (Wanderprediger) u. dgl., während die Aristokratie der Wanderarmen (Meschullaschim, Mechabrim, Nisrafim, Leute mit heiratsfähigen Töchtern u. a.) in Privathäusern Aufnahme finden. Die Hachnassat- Orchim-Vereine machen sich die Regelung des Wanderarmenwesens innerhalb der Stadt selbst zur Aufgabe. Um der zu einer wahren Landplage ausartenden Häuserbettelei in den Städten entgegenzuwirken, werden in den letzten Jahren vielfach „Komiteten" ins Leben gerufen, die die Wanderbettler mit einem gewissen

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