Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Armenwesen und soziale Fürsorge im Ostjudentum
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 327 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
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Armenwesen und soziale Fürsorge im Ostjudentum 327 betracht desUmstandes aber, daß die ursprüngliche Schuldsumme durch die wöchentlichen Abzahlungen sich fortwährend reduziert, einen weit höheren Zinsfuß dan Diese Kreditnot war es, die die ostjüdischen Kreditgenossenschaften ins Leben rief und ihnen noch bis heute Daseinsberechtigung verleiht. Ohne nun den gesamten Kreditbedarf befriedigen zu können, haben sie dem grassierenden Wucherwesen in erfolgreicher Weise einen Damm entgegengesetzt. Unschätzbar ist ihre sozial-ethische Bedeutung. Die religiös-sittliche Basis haben namentlich die Raiffeisenschen Gründungen mit diesen jüdischen Institutionen in hohem Maße gemein. Wie das jüdische Gemeinschaftswesen überhaupt, so stellen auch diese Institutionen die reinste Verkörperung eines menschlichen Genossenschaftsgefühls, wie sie der „moderne" Geist nicht mehr hervorzubringen vermag. Sie sind eben nichts weniger alsein echter Niederschlag des sozialen Judentums schlechthin. Die Zahl der Gemilut-Chassadim-Vereine wird — unter den eben auseinandergesetzten Vorbehalten— für das Ermittelungsjahr 1898 auf insgesamt 350 angegeben. Davon entfallen auf das eigentliche russische Ansiedlungsgebiet 279 (davon 205 auf das nordwestliche, 50 auf das südwestliche und 29 auf das südliche Gebiet), auf Polen 71 Genossenschaften*). Der Grund für die spärliche Zahl der Kassen im südwestlichen Gebiet ist nicht klar ersichtlich; dieser Umstand ist aber wahrscheinlich auf einen geringen Bedarf an einem derartigen Kredit zurückzuführen. Dies gilt vor allem einigen Gouvernements dieses Gebietes, in denen das jüdische Handwerk und der jüdische Handel sich einer günstigeren Situation als sonst erfreut. Bis zu einem gewissen Grade ist diese Erscheinung wohl auch auf ein der jüdischen Bevölkerung der südlichen Gouvernements eigenes Sichgehenlassen zurückzuführen, die ihr denjenigen Geist der Gemeinschaftlichkeit und der Initiative abgehen läßt, der dem litauisch weißrussischen Judentum in so hohem Maße eigen ist. Auf den letzten Umstand ist wohl auch vor allem die unbedeutende Zahl der Darlehenskassen in P o le n zurückzuführen. Bezüglich des Umlaufskapitals — das in der überwiegenden Mehrheit der Kassen, die ein eigentliches „Umlaufskapital" nicht besitzen, mit dem Gesamtbetrag der Einnahmen schlechthin identifiziert wird — ergab die JCA*sehe Erhebung folgende Zahlen: « «. . . Gesamtzahl der Kassen mit einem Kapital * bis 100 Rub. 100 — 500 Rub. 500 — 1000 üb. 1000 Nordwest 57 70 22 9 Südwest 5 18 3 7 Süd 2733 Polen 13 17 10 7 77 112 38 26 Drei Viertel der in den obigen Zahlen einbegriffenen Kassen verfügten über ein Kapital von weniger als 50 Rubeln und ca. ein Drittel (77 von 253) weist ein *) Im nordwestlichen Gebiete verteilte sich die Gesamtzahl der Kassen auf die verschiedenen Gouvernements folgendermaßen: Xowno 47 Südw. Gebiet: Süden: Polen: Grodno 44 Tschernigow 14 Bessarabien 8 Warschau 4 Lublin 2 Wilna 36 Poltawa 7 Cherson 4 Petrikau 11 Siedice 1 Minsk 37 Kiew 12 Jekaterinoslaw 5 Kaiisch 13 JLomza 12 Mohilew 28 Wolhynien 9 Taurien 7 Kielce 2 Plozk 4 Witebsk 13 Podolien 8 Radom 6 Suwalki 16