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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5-6 · p. 313

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 5-6
Article
Von der Aufgabe der Juden in Europa
Date
1918-01-01
Page
313 (sequence 7)
Language
German
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Von der Aufgabe der Juden in Europa 313 fahr eines vorzeitigen Bis-ans-Ende-Erlebens läge; als ob die Juden in ihrer schleunigen Entwicklung schneller in Sackgassen einliefen, sich leicht „durchkultivierten". Es liegt wie Müdigkeit, wie allzu Unchaotisches, Unkräftiges über der nicht geringen Zahl edler, tiefreifer Juden Westeuropas, wohl einer der beglückendsten Menschenarten. Vielleicht sind Beziehungen da zwischen dieser Frühreife und der körperlichen der schnell verblühenden jüdischen Frauen. Die deutsche Seelensubstanz erscheint schwerer zu durchdringen, nach rechts und links ausgiebiger. Hat die Erregung sie erst ergriffen, bleibt diese konstanter in einer zäheren Masse. Das Leben stößt im Juden auf ein höchst sensibles Material und daher bald auf dünne Stellen; bricht sich langsam-gleichmäßig, über Raum verfügend im Deutschen Bahn. Genialität und Solidität ergeben sich als Eigentümlichkeiten. Ausbreitung in die Tiefe hat ihre Vorteile wie die in die Fläche. Auch ethisch scheint daraus, daß der Jude das, was er ist, ganz ist, keine Höher- oder Tieferwertung folgen zu dürfen. Ist nicht jener gewisse unechte, allzu gewandte lärmend überhebliche Typus des Konfektions-, Börsen- oder Pressejuden genau so verabscneuenswert wie der kurzsichtige, lieblose, im Grunde ebenso überhebliche des Beamten und Korpsstudenten - Deutschen? Das Jüdisch-Schlechte tritt aufdringlicher in Erscheinung, aber der Wille ist gleichsam bei beiden gleich: für das Ethos ist die Differenz eine zufällig-psychologische, keine werthafte: eine Temperamentsache. Das Ausgesprochene der jüdischen Eigenschaften reizt zu restloser Bewunderung oder heftigstem Widerspruch. Doch sind die Juden nicht besser oder schlimmer, sondern nur „dichter" schlimm oder gut. Auf die bestehende deutsche Welt allerdings wirken sie durch diese gedrängte Zusammensetzung bewegender — nach beiden Richtungen hin. Ihre Tätigkeit, Gutes oder Schlechtes in die Welt zu setzen, scheint sich mindestens aufzuheben. Die unvergleichliche Geisterfülltheit in den höheren Kulturschichten hält zum wenigsten das Gleichgewicht zu der plumpen Ideallosigkeit der niederen. Auch zeitlicher Vorsprung ist noch kein absoluter, wenn nur der später Kommende die Sache ebenso gut ausführt. Aus ihrer Kraftrichtung heraus scheinen Juden und Deutsche keiner dem andern überlegen. In Arbeitsteilung dienen sie dem Geiste, das Volk der weltbedenkenden Schwere und das der erdunbehinderten Leidenschaft. Wie weit im Juden die europäische Seelentendenz schon von seinem Geburtsort her, der Scheide zwischen Europa und Asien war, wie weit sein Geschick sie großzog — sie ist heute in ihm deutlich und hart neben der orientalischen. Die chassidischen Juden des Ostens vermögen einen Augenblick nach Verlassen ihres Bethauses, wo sie in vollkommener Erdgelöstheit mit dem ganzen Körper dem Rhythmus ihrer von Gott besessenen Seele folgten, sich aufs genaueste den Umständen der Wirklichkeit anzuschmiegen, wie wenn sie durch einen Hebeldruck die ichdurchdringenden Kräfte aus- und die erdgerichteten einschalteten. Sie verfügen in sich über die Fähigkeit, in Rausch und Traum zu geraten für das, was ihnen heilig ist, und über raffinierteste Erwerbstüchtigkeit- Die Juden des Ostens handeln nützlich, mitunter bis zur Schändung des Menschlichen, Verwendbarkeit zu Profit der Gesichtswinkel ihres so plackereienreichen Alltagslebens — und verschreiben sich, ein unerhörtes Beieinander, versinkend

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