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Der Jude · 1918-01-01 · Heft 5-6 · p. 290

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 5-6
Article
Ein politischer Faktor
Date
1918-01-01
Page
290 (sequence 2)
Language
German
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290 Martin Buber: Ein politischer Faktor Aber das andere: Es ist noch Krieg; und das heißt, es ist noch dieser entartete Krieg, in dessen Entartung es einer der grauenhaftesten Züge ist, daß alles in ihn einbezogen wird. Daß ein so großer Teil der Intellektualität der kriegführenden Völker sich unter die Maschinen begeben hat oder unter sie eingereiht worden ist, mit denen der Krieg geführt wird, hat man durch die Fiktivität, die Ungeistigkeit dieser Intellektualität zu erklären versucht; die Erklärung reicht nicht zu. Echtes und Fiktives, Geistiges und Ungeistiges sind hier miteinander verschweißt, weil sie vor den sie Benützenden gleich sind, für sie gleich brauchbar sind. Kein Idealismus kann so rein, keine Begeisterung so gnadenreich sein, daß sie von dem System der Verwendung aller Dinge nicht erfaßt und mit ihrem besonderen Verwendbarkeitszeichen abgestempelt werden könnten. Ob du dichtest oder zu dichten glaubst, Poet, ob du forschest oder zu forschen vorgibst, Gelehrter, ob du Hingabe oder Taktik übst, Sozialist: der euch ausspielt, kann die echten Karten unter euch zu gelegener Zeit so geschickt (oder so ungeschickt) ausnützen wie die falschen. Ihr echten seid ins Spiel gemischt und müßt die Gesellschaft der andern erdulden und ihre Behandlung miterleiden. So kann es auch einer Sache ergehen, die jenseits der Welt dieses Krieges steht und mit ihr nichts gemein hat, wie die zionistische. Sie ist in diesem Krieg nicht Partei und will nicht Partei werden; sie spielt weder offen noch heimlich mit; sie sieht aber auch nicht ins Spiel und lauert nicht, wer gewinne; sie ist nicht unter denen, die den Spielern zuflüstern, schmeicheln, Tricks anbieten und die alles Ausnützenden selber ausnützen möchten. Was Theodor Herzl auf dem ersten Zionistenkongreß — seit jener Minute vollendet sich jetzt das zwanzigste Jahr — sagte, gilt heute noch immer: ,,Es kann sich bei uns nicht um Bündeleien, geheime Interventionen und Schleichwege handeln". Aber nicht deshalb allein hat die zionistische Sache keinen Anteil an dem ausnützenden und ausspielenden Aktivitätswirrsal dieses entarteten Kriegs. Sondern weil der Weg nach Zionnicht durch die Straße des Wahnsinns führen und sich mit ihr nicht berühren kann. Und dennoch ist das Zionszeichen auf eine Karte gemalt und diese Karte ins Spiel geworfen worden. Aber nicht von der Hand des Zionismus. Würde er urn dieses Vorgangs willen ein politischer Faktor genannt, so käme ihm diese Bezeichnung nur als einem Objekt, nicht als einem Subjekt der Politik zu. Im System der allgemeinen Verwendung der Ideale und Begeisterungen ist nun auch das Streben nach einer Heimstätte für das jüdische Volk als benützbar untergebracht worden. Wir können diesen Akt nicht verhindern, aber wir dürfen an ihm nicht teilnehmen. Wir müssen diese Versuchung, zu einem politischen Faktortum solcher Art erhoben zu werden, bestehen. Wir sind nicht ein Subjekt dieser Politik und wollen es nicht werden. Die Politik, als deren Subjekt der Zionismus gelten will und darf, ist eine andere. Er redet nicht zu den einzelnen, aus aller Weltmaterie einschließlich des Geistes Waffen wider einander schmiedenden Gruppen, sondern zu der Völkergemeinde, die sich in dieser Stunde, während sie noch geschmiedet werden, in redlichen und überlegenen Herzen bereitet; nicht zum Haß und zur lauernden List, sondern zu dem erwachenden Gewissen, dem neuen Bewußtsein der Verantwortung und dem sich verwandelnden Willen der Völker. Indem er zu ihnen redet und von ihnen gehört wird, ist der Zionismus eine wirkende Kraft in der Völkerpolitik

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