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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 4 · p. 250

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 4
Article
Deutschtum und Judentum [Rezension]
Date
1917-01-01
Page
250 (sequence 6)
Language
German
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250 Jakob Klatzkin: Nicht: es ist gut, sondern: es wird gut sein — besagt die messianische Gottesidee mit ihren Begriffen der Wahrheit und der Zukunft. Die Hoffnung ist den Griechen nur eitler Affekt; von keinem höheren Wert als ihr Gegensatz, die Furcht. In diesem Verhältnis zur Zukunft bleibt der Mythos befangen. Er verlegt die Sittlichkeit rückwärts in die Vergangenheit; sie wird ihm zu einem verlorenen Paradies. Der Wille schwingt sich nicht auf zur Zukunft in positiver Aktivität; er erschlafft zur Sehnsucht nach einem goldenen Zeitalter, nach einem Weltalter einer verlorenen Sittlichkeit; er hat kein Zukunftsbild. Die Propheten projizieren das Ideal der Sittlichkeit auf das Einst, das Ende der Tage. Sie begnügen sich nicht damit, zu sagen: so soll es sein; sie sagen zugleich: so wird es sein. Sie sind die Schöpfer einer neuen Art des Denkens, die wir als Religion bezeichnen. Hat man den jüdischen Gottesbegriff in seinem vollen Umfange erkannt, so ist der Prioritätsstreit zwischen Israel und Babylon um die Idee des Monotheismus grundlos. Diese Idee bedeutet dem Judentum nicht allein die Einheit Gottes, seine Ungeteiltheit, sondern vielmehr die Einzigkeit des göttlichen Seins. Sie bedeutet ihm: daß das Sein Gottes nicht das Sein der Natur ist, sondern das Sein des Sittlichen. Das Sein Gottes ist einzig: seine Art des Seins ist eine andere als die alles Seins in der Natur. Und das will heißen: die Wirklichkeit des Sittlichen ist von anderer Art als die Naturwirklichkeit; ist Wirklichkeit des Ideals, der Zukunft, der Ewigkeit. So ist der jüdische Monotheismus eine rückhaltlose Verneinung des Pantheismus, der im Mythos seinen Urquell hat und Gott in der Natur erkennt, in Natur nivelliert. Der Pantheismus ist Naturalismus; er resorbiert die Sittlichkeit in Natur. Es gibt daher keinen Ausgleich zwischen Monotheismus und Pantheismus. Das Pan der Natur ist der absolute Widerspruch zur Einzigkeit Gottes. Der Einheitsgedanke bei Xenophanes hat mithin nicht den Sinn des Monotheismus, weil nicht den Sinn der Einzigkeit. Xenophanes verknüpft Gott und Welt: die Welt hat Einheit und Gott hat Einheit. Diese Analogie bedeutet letzten Endes: Gott hat Einheit mit der Welt. So wurden die Eleaten die Begründer des Pantheismus. Der Gedanke läßt sich auch nicht halten, daß Anaxagoras mit seinem Nus den Monotheismus der Metaphysik inauguriert hätte. Im Gegensatz zu allem Mythos und Pantheismus lehrt aber der Monotheismus die Transzendenz Gottes. ,,Die Transzendenz aber kommt nicht von diesem Stichworte Piatons her, sondern von dem Gotte der Propheten." (S. Ethik des reinen Willens, S. 52, 203, 380—383, 407—408,439; Religion und Sittlichkeit, S. 30, 32, 40—43, 48; Der Begriff der Religion S. 27, 33, 45—46; Liebe und Gerechtigkeit in den Begriffen Gott und Mensch, Jahrb. f. jüd. Gesch. und Lit. 1900, S. 76, 78. Vergl. auch meine Abhandlung: Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums, Monatsschrift f. Gesch. u. Wissenschaft des Judentums, Jahrg. 1914. Heft 1—2, 3—4.) Cohen sieht also einen unversöhnlichen Gegensatz zwischen der jüdischen Religion und allem Pantheismus, eine unüberbrückbare Kluft zwischen dem Geist des Judentums und allem anderen im Mythos verwurzelten Kulturgeist, mithin auch zwischen Judentum und Griechentum. Er betont, daß der in der griechischen Kosmologie auftretende Einheitsgedanke keine Berührungspunkte

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