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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 4 · p. 248

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 4
Article
Deutschtum und Judentum [Rezension]
Date
1917-01-01
Page
248 (sequence 4)
Language
German
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248 Jakob Klatzkin: Salomo ibn Gebirol (Avicebron) in einem hohen Grade erfahren. Es war die Einwirkung des Pantheismus, die in allen Schöpfungen der Kabbalah unverkennbar ist. Cohen erklärt aber den Pantheismus als den schroffsten Widerspruch zum Judentum (D. Begr. d. Rel., S. 27). Auf diese Beziehung des Judentums zur griechischen Ideenwelt kann er sich also für seine Theorie nicht berufen. Worin besteht jedoch die schöpferische Verbindung zwischen Judentum und Griechentum? * * * Noch weniger wird diese Frage beantwortet, wenn wir Hermann Cohens eigene Lehre vom Geist des Judentums betrachten. Er hat das Wesen des Judentums tief ergründet und auf den Gegensatz zu allen aus dem Mythos entstandenen Kulturen richtig eingestellt. Er lehrt: Dem Mythos geht die sittliche Erkenntnis ab, die das Menschsein vom Natursein unterscheidet. Er prägt daher keine Normen für das Verhältnis zwischen Mensch und Mensch. Er ist auf das Sein, nicht auf das Seinsollen gerichtet; ist auf das Verhältnis zwischen Mensch und Gott festgebannt, sucht die Natur Gottes, das Wesen des Schöpfers und des Alls zu ergründen. Die Götter des Mythos verkünden den Menschen Glück oder Unglück, Sieg oder Untergang, nicht aber: was gut und was böse sei. Hingegen entsteht der prophetische Gedanke Gottes auf Grund des Verhältnisses zwischen Mensch und Mensch. Von dieser Stufenleiter erst erhebt sich die Beziehung auf Gott. Nicht das metaphysische Interesse an der Natur, am Wesen Gottes bewegt die jüdische Religion; sondern das Wissen um das Gute. Gott kündet dem Menschen, was gut ist. Nicht von sich hat er uns Kunde gegeben. Nicht was Gott sei, sagt uns Gott; sondern was der Mensch sei. „Er hat dir gesagt, o Mensch, was gut ist." Gott lehrt die Sittlichkeit. Diese Lehre ist sein Amt. Und nur in ihr offenbart sich Gott dem Menschen. Wenn der Gott der Propheten vom Menschen fordert, daß er ihn erkenne und liebe, so wird damit vom Menschen gefordert, daß er die Sittlichkeit erkenne und liebe. Gott erkennen, meint nicht seine Natur und sein Wesen erkennen. Die Propheten wehren sich gegen das außersittliche Interesse des Mythos am Sein Gottes. Gott kennt die Wege des Menschen und die Gedanken seines Herzens; aber Gottes Wege und Gottes Gedanken sind nicht des Menschen Wege. „Wolltest du das Geheimnis der Gottheit finden?" Daher die Auflehnung gegen die Attribute Gottes. Maimuni wagt es, auch das Attribut des Lebens von dem Gottesbegriff zu abstrahieren. Er hat diese Negierung zur Vollendung gebracht: das Nichtwissen der Attribute ist das Nichtwissen des Wesens Gottes. Erbestreitetalle Attribute des Sein und des Wesens, beschränkt die Erkenntnis Gottes auf die Attribute der Handlung, auf die Eigenschaften, die als Musterbegriffe der menschlichen Handlung dienen können. „Wie Gott barmherzig ist, sei auch du barmherzig. Wie Gott gnädig ist, sei auch du gnädig." Das Wesen Gottes wird als das Ideal der Tugenden, als das Urbild der Sittlichkeit bestimmt, dessen Ebenbild der Mensch ist. Außerhalb dieser Erkenntnis der göttlichen Sittlichkeit ist das Wesen Gott es unerf orschlich, will sagen, nicht Gegenstand des religiösen Wissens und Glaubens. Gott bedeutet aber auch nicht die Kraft, aus welcher der Mensch seine Sittlichkeit schöpfen kann. Wie kosmisch, so wird auch ethisch jede Art der Emanation

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