Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Rechtsstellung und innere Verfassung der Juden in Polen
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 239 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Ostroh 1× ep/1047766
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Rechtsstellung und nnere Verfassung der Juden in Polen 239 Scheidung überlassen." Die Blütezeit dieses Vierländer-Kongresses, dessen erste Tagung und Beschlußfassung aus dem Jahre 1582 datiert, fällt in die erste Hälfte des XVII. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kosakenaufstandes (1648). Der Ort der Zusammenkunft war anfangs Lublin, einmal jährlich während des Frühlingsjahrmarktes mit der Dauer eines Monates, später wurden die Kongresse na.ch Jaroslau verlegt, wo im Herbst alljährlich ein großer Jahrmarkt stattzufinden pflegte, und schließlich kamen sie zweimal jährlich, im Frühling in Lublin und im Herbste in Jaroslau zusammen. Wie schon erwähnt wurde, hatte der Judenlandtag einen geistlich-weltlichen Charakter, insofern er sowohl aus hervorragenden Rabbinern der größeren Gemeinden wie auch aus deren weltlichen Leitern zusammengesetzt war. Die Zahl der Delegierten war nicht immer konstant. Nach Hannovers Angabe sandte eine jede größere Gemeinde einen Vertreter, hinzu kamen noch sechs anerkannte Rabbiner. Später erhöhte sich die Zahl der weltlichen Vorsteher auf je zwei aus den Hauptstädten Posen, Krakau, Lemberg und Ostrog. Die Gesamtzahl der Teilnehmer zusammen mit den Rabbinern dürfte wohl die Zahl dreißig nicht überschritten haben. In dem Maße als die ökonomische Lage der Judenschaft in der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts nach den furchtbaren Kosaken- und Schwedenkriegen eine immer prekärere wurde und auch der Landtag im Zusammenhange damit sein Prestige nach außen nicht mehr, wie früher, zur Zeit der Blüte und des Wohlstandes der Gemeinden, wahren konnte, verengte sich allmählich auch der Kreis seiner Kompetenz, seine Autorität auch nach innen ward im XVIII. Jahrhundert immer mehr gelockert. Die letzte wichtige Zusammenkunft fand im Jahre 1753 in Jaroslau statt, auf der die berühmten Dispute zwischen Jönatan Eibenschütz und Jakob Emden über den Sabbataismus ausgefochten wurden. Zehn Jahre später, im Jahre 1764 wurde über Beschluß des staatlichen Polen-Landtages das jüdische Parlament ganz aufgelöst. Die Teilung Polens unter die drei Nachbarmächte in den Jahren 1772—1795 hat auch die innere Zusammengehörigkeit der einst kulturell einheitlichen polnisch-litauischen Judenschaft faktisch auseinandergerissen. Die Beschlüsse der Judenlandtage waren zunächst in eigenen Protokollbüchern (Pinaks) niedergelegt und wurden außerdem bei wichtigen Anlässen den Protokollakten einzelner größerer Gemeinden inkorporiert. Die Sprache der Protokolle ist durchwegs (ebenso auch in den Einzelgemeinden) hebräisch, während die vom Wa'ad erlassenen öffentlichen Ankündigungen in den Synagogen {\erüzim) in der jüdischen Volkssprache erfolgten, die allerdings vielfach mit hebräischen stilistischen Redensarten durchwirkt waren. Leider haben sich von den Protokollen der Vierländer-Synode nur einzelne Bruchstücke aus den Jahren X6S4 und 1671 und einige sonstige vereinzelte Beschlüsse aus verschiedenen Jahren erhalten.*) Dagegen sind glücklicherweise die Protokolle des litauischen ~) Diese Fragmente der Synodenprotokolle wurden von J. Perl es zuerst in der „Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums" 1867 veröffentlicht, zu denen später andere wie Dembitzer in der Abhandlung Wa'ad 'arba' 'arasöt" (Anhang zu seinem Werke „Kelilat Jofl"), Harkawi im Hamelis (1894), Wettstein aus den Abschriften im Krakauer Gemeinde- Pinaks, Dubnow (Festschrift Sokolow 1904), Lewin (Frankfurter Jüdisch-Literarisches Jahrbuch 1907—14) neue Bruchstücke aus verschiedenen Jahren hinzugefügt haben.