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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 4 · p. 231

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 4
Article
Nation und Partei
Date
1917-01-01
Page
231 (sequence 4)
Language
German
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Nation und Partei 231 der Assimilationsidee nichts ändern. Denn die Besonderheit der Assimilanten, der Umstand, der sie zu Assimilanten macht, ist nicht der Zustand der Wirklichkeit, sondern ihr Gedankengebäude. Davon also muß ausgegangen werden, wenn die Assimilation irgendwie (unmittelbar oder in der Bestimmung anderer Richtungen nach dem Verhältnis zur Assimilation) znm Gegenstand von Betrachtungen gemacht werden soll. Auch der ungewöhnliche Zustand, daß es bei den Juden eine Assimilation so weitgehender Art gibt, die sogar die Existenz eines jüdischen Volkes bestreitet, ändert also nichts daran, daß der Zionismus keine Bewegung besonderer, parteimäßiger, sondern umfassender, allgemeiner Art bildet. Erkennt man diesen Satz nicht an, so muß man behaupten, daß der Zionismus nicht dem Gedanken des ganzen jüdischen Volkes, sondern dem irgendeiner besonderen Gruppe gewidmet sei. Weil aber eine Behauptung dieser Art falsch wäre, weil die Frage des Zionismus tatsächlich die Frage des ganzen jüdischen Volkes ist, kommt es, wenn man das Wesen des Zionismus feststellen will, nicht darauf an, daß in der praktischen Wirklichkeit noch nicht das ganze jüdische Volk zionistisch ist, daß es vielmehr (abgesehen von der Assimilation) noch andere Strömungen auf nationaler Grundlage gibt, mit denen sich der Zionismus gelegentlich auseinanderzusetzen hat. Sie beruhen, vom zionistischen Standpunkt aus, auf den Irrtümern zufälliger Anschauungen, von denen die Einsicht getrübt wird, daß das Ziel des ganzen Volkes nur auf dem Wege des Zionismus zu erreichen sei. Fielen diese theoretisch mehr zufälligen als wesentlichen Meinungsverschiedenheiten weg, so würde sich auch hier, von der Gemeinsamkeit der Grundanschauung aus, die auf das ganze Volk gerichtet ist — das ist jede wirklich nationale Anschauung —, volle Übereinstimmung ergeben. Man kann in der Theorie die außerzionistischen nationalen Strömungen in den Zionismus einbeziehen, der eben die jüdischnationale Bewegung sein will und sehr häufig so aufgefaßt wird. Die Unterschiede liegen dann in der Methode, die der nationalen Bewegung am besten angemessen sei. (Von Meinungsverschiedenheiten dieser Art wurde schon oben gesprochen.) Eine Gegenüberstellung des Zionismus, die ihn zur Partei machen würde, ist auch im Verhältnis zu den anderen nationalen Richtungen theoretisch nicht zu halten. Denn auch hier können gedanklich Zionismus und Andersnationale sich nicht als Teile eines Ganzen gegenüberstehen; wenn man auf diese Weise das jüdische Volk als die übergeordnete Einheit und den Zionismus als einzelne Gruppe im jüdischen Volk bezeichnen wollte, so würde das wiederum in Widerspruch stehen zu der Tatsache, daß der Inhalt des Zionismus der Gedanke des ganzen jüdischen Volkes ist, der Zionismus also auch in diesem Falle die höhere Ordnung, das Ganze darstellt. Man wird geneigt sein, diese Auffassung heute, da der Kongreß des amerikanischen Judentums sich vorbereitet und auch sonst der Zionismus mehr als früher in der politischen Praxis neben andere nationale Gruppen gestellt wird, für allzu graue Theorie zu halten. Aber sie bleibt nun einmal vom zionistischen Standpunkt aus richtig und wird sich auch in ihrer praktischen Bedeutung bemerkbar machen. Für den Zionismus wird es immer fester Grundsatz bleiben, daß kein anderer Weg für die Lösung der Judenfrage gangbar ist. Er kann sich daher wohl zu einzelnen Arbeitsleistungen mit anderen Gruppen zusammen-

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