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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 4 · p. 229

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 4
Article
Nation und Partei
Date
1917-01-01
Page
229 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Nation und Partei 229 fahren bestehen, nach dem die Form am besten hergestellt werden könnte. Sobald dagegen Anschauungen die Parteibildung bestimmen, die, über diese Frage der Methode^ hinausgehend, nicht in den rein-nationalen Gedankenkreis fallen (und die einen Inhalt des nationalen Lebens bilden könnten), besteht die Gefahr, daß der allein wichtige Vorgang, der Aufbau der Form, durch Beimischung wesensfremder Bestandteile in seiner Entwicklung gehemmt wird. Die kulturpolitischen Bestrebungen, deren Unvereinbarkeit mit der parteimäßigen Natur des Zionismus getadelt wurde, sind also gerade ein Beispiel dafür, in welchem Sinne der Begriff der Partei auch bei uns mit Recht angewandt werden kann. Denn sie enthalten eine bestimmte Meinung über den Weg, der einzuschlagen ist, um die Nation im vollen Sinne zu schaffen. Unrichtig dagegen ist es, wenn etwa orthodoxe oder sozialistische Zionisten die besonderen Aufgaben, denen sie sich widmen, dem nationalen Werke gleichsetzen oder gar voranstellen. Schon der Zusammenschluß nach diesen außernationalen Gesichtspunkten ist innerhalb der nationalen Arbeitsgemeinschaft gedanklich kaum und nur aus bestimmten Gründen praktischer, mehr untergeordneter Natur zu rechtfertigen. Denn auch der jüdische Sozialist glaubt nicht, daß die kommunistische Gesellschaftsordnung das notwendige oder beste Mittel sei, um die vollkommene Gemeinschaft des jüdischen Volkes zu erwirken. Es werden hier Bestrebungen vorweggenommen, die schon das zur Gesundung gelangte, regelmäßige Leben des Volkes voraussetzen. Das Schaffen der Nation soll irgendwelche für wesentlich gehaltene Gedanken zum Ausdruck bringen. Das kann aber einen politischen Sinn erst dann haben, wenn es möglich ist, das Leben des Volkes in bestimmter Richtung zu lenken, wenn also derartige Wünsche vorhandene Verhältnisse der Wirklichkeit zum Gegenstand haben können. Es ist deswegen verkehrt, wenn auf Parteiforderungen mitunter erhebliche Energie verwandt oder gar ihretwegen gegen den nationalen Gedanken Stellung genommen wird. So ist es z. B. sinnwidrig, wenn sozialistische Zionisten eine national-jüdische Vertretung der österreichischen Reichshauptstadt im Parlament dadurch vereiteln, daß sie gegen den ,bürgerlichen" Zionisten und für den sozialistischen Klassengenossen stimmen. Falsch wäre es, einzuwenden, daß andere „unfertige" Völker Parteien aufweisen. Wenn es tschechische Agrarier und tschechische Sozialisten gibt, so hat das seinen Grund darin, daß hier der Organismus des Volkes schon in Ordnung ist. Den Tschechen fehlt zum Volke selbst und zum eigenen Leben nichts mehr, sie kämpfen nur noch um die Weite des Gebietes, in dem sich ihre nationale Kraft entfalten kann. Sie haben im Verhältnis zu uns das erste nationale Ziel erreicht. Wir stehen noch vor der Aufgabe, den Volkskörper in Ordnung zu bringen und zum tätigen, eigen-bestimmten Leben zu erwecken. Man sieht, wie wenig es angebracht ist, in unsere reinnationale Politik den Parteibegriff in dem herkömmlichen Sinne hineinzutragen, der immer noch etwas anderes als die Nation enthält. Gruppen wie dem Misrachi oder den Poale Zion wird man immerhin zugestehen, daß sie vorhandene Strömungen ausdrücken und die orthodox oder sozialistisch Interessierten auch mit diesen Interessen in der Nation verankern; nur müßten sie stets bereit sein, das nationale Ziel als oberstes Prinzip anzuerkennen. Und mit dieser Voraussetzung wird man es auch

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