Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Hechaluz, die neue Pionierbewegung
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 226 (sequence 4)
- Language
- German
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226 J. Ben-Zwi: beiten in den Pflanzungen Tausende von Menschen. Der Besitzer hat dort keine direkte Beziehung zur Wirtschaft, die durch einen besonderen Aufseher geleitet wird. Der Aufseher ist ein Jude und die Arbeiter in der Mehrheit Araber. So bildet sich eine jüdische Klasse von Eigentümern und Aufsehern und eine Klasse von Araberproletariern aus. Der Jude bleibt der Vermittler, und der Produzierende ist der Nichtjude. So wird das Golus in Erez Israel geschaffen. Je größer die Zahl der Kolonien, um so größer wird auch die Zahl der Araber in der jüdischen Wirtschaft. Der neue jüdische Arbeiter hat zuerst seine Stimme gegen diese Gefahr und Anomalie erhoben. Er hat einen erbitterten Kampf „um die jüdische Arbeit" begonnen. Er hat sich aber nicht auf den Kampf gegen die Kolonisten beschränkt, sondern hat sich auch an eine produktive aufbauende Tätigkeit begeben. Seit zehn Jahren besteht der neue Pionier der jüdischen Arbeit in Palästina, und zehn Jahre lang hat er unermüdlich gearbeitet, ist fest auf seinem Posten geblieben, und wenn auch die Lage der alten Kolonien sich wenig geändert hat, so sind doch die zehn Jahre nicht umsonst vergangen: der Kampf des jüdischen Arbeiters war erfolgreich; es ist schon offenbar, daß der Sieg auf seiner Seite sein wird. Erstens ist es das Verdienst des jüdischen Arbeiters, daß die Farmen des Nationalfonds, Ben-Schemen und Hulda in Judäa, Kinereth, Deganja, Merchawja, Tel Adas und andere in Galiläa Nester jüdischer Arbeit geworden sind. Zweitens sind Arbeitergenossenschaften gegründet worden, die auf korporativer Grundlage den Boden des Nationalfonds oder anderer Unternehmer bebauen. Die Genossenschaften bestehen in den erwähnten Orten Merchawja, Tel Adas, Deganja, Kinereth, und daneben in Kerkur, Hittin, Gan-Schemuel, Kastinie u. a. Danach kommen die privaten Farmen, die auf der Grundlage der jüdischen Arbeit gegründet worden sind: Migdal und Karf-Uria, Ruchama und die Ica- Kolonie Betania. Alle erwähnten Kolonien und Farmen, die in den letzten zehn Jahren entstanden sind, sind durchaus auf der Basis der jüdischen Arbeit errichtet, und dies ist den Arbeiterpionieren zu verdanken. Eine der wichtigsten originalen Schaffungen des Arbeiterpioniers ist die Organisation der jüdischen Schemira, der Wache. Dabei ist es nicht so sehr die materielle Frage, der wirtschaftliche Schaden, den die Kolonien und Farmen von ihren beduinischen oder tscherkessischen Wächtern erlitten, der für das Interesse unserer Gefährten im Vordergrund stand, sondern vor allem die Ehre des jüdischen Namens und das Streben nach neuem Schaffen. Der Haschomer hat die Juden ebenso wie ihre arabischen Nachbarn überzeugt, daß der Jude fähig ist, seine Ehre und seinen Namen stolz zu beschützen. Er hat in dem jungen Geschlecht der Arbeiter und Kolonisten den alten Geist der Makkabäer wieder erweckt. Zur selben Zeit sind die beiden Landarbeiterorganisationen und verschiedene kleinere Genossenschaften gebildet worden. Es wurden Arbeitersiedlungen neben den großen Kolonien Petach-Tikwa, Chedera, Rischon-le-Zion und Rechoboth für Aschkenasim und Jemeniten gebildet. All dies ist nur eine kurze Aufzählung dessen, was der jüdische Arbeiterpionier in den letzten zehn Jahren getan und erreicht hat.