Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aktivierung
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 222 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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222 Leo Herrmann: Aktivierung gebung auf bestimmte Zwecksetzungen bedachter Gruppen vorliegt, sondern daß es sich um nichts geringeres handelt als um eine aus dem Innern quellende Bewegung, sich in die Reihe zu stellen und den Dienst an der Erneuerung der jüdischen Gemeinschaft aufzunehmen. Wie stark die Verbundenheit des Gesamtjudentums ist, beweist seine tiefe und starke Teilnahme an den Vorgängen, die das palästinensische Judentum betroffen haben. Die Teilnahme bezeugt die Verbundenheit, bezeugt, daß heute schon das jüdische Leben Palästinas zentripetale Kräfte im Gesamtjudentum geweckt hat, die über die organisierten zionistischen Kreise hinaus wirksam sind. Diese Tatsache ist so mächtig und hat sich inmitten der ungeheuren Ereignisse der Zeit selbst dem politischen Denken der gesamten Welt so sichtbar gemacht, daß sie in alle politischen Berechnungen eingestellt wird. Man mag sagen, daß es eine schlau berechnete Technik und eine kühle Spekulation war, wenn die Nachrichten über die Evakuierung der jüdischen Bevölkerung Jaffas und der judäischen Kolonien bei Jaffa, übertrieben und entstellt, für bestimmte politische Zwecke ausgebeutet wurden. Aber es ist schon charakteristisch, daß man dann mit einer solchen Beharrlichkeit in der ganzen Welt wiederholte, was angeblich geschehen war, und daß man von dieser Wiederholung große politische Wirkungen erwartete. Es ist ein Zeichen, daß von dem durch die neue jüdische Gemeinschaft bisher in Palästina Geschaffenen schon eine große politische Wirkung ausstrahlt. Diese Wirkung ist nur möglich, weil sie sich auf die Realität des Geschaffenen und auf die Realität der dieses Geschaffene stützenden Gemeinschaft aufbaut. Die Realität des Geschaffenen: Es handelt sich in erster Reihe um die Menschen, die das Werk in Palästina geschaffen haben und seine Träger sind. Es ist keine lose Gruppe aus allen Enden der Welt zufällig in ein Land gewehter Menschen jüdischen Blutes. Es ist eine Schar von Juden, deren Leben von dem Willen bestimmt wird, durch die Arbeit in Palästina, durch die jüdische Arbeit im rechten Sinne des Wortes eine neue menschliche Gemeinschaft aufzubauen. Dieser Wille hat in kurzer Zeit schon sichtbare politische und wirtschaftliche Erfolge gezeitigt Darum achtet jetzt schon die Welt auf ihn. Sie glaubt nunmehr daran, daß diesem Willen eine Zukunft verheißen ist. Die Realität der Gemeinschaft: Sie tritt in einer die politischen Techniker überraschenden Größe und Wucht hervor, wenn die Besorgnis entsteht, daß dem Zentrum ihres Interesses, dem Grundstein des jüdischen Volkstums, dem Jischuw in Palästina ein Leid getan wird. Die neue jüdische Gemeinschaft ist auf dem Wege, das gesamte Judentum zur Aktivität zu formen. Der Wunsch ihr zu dienen, wird zur Forderung, die in die Mitte des Programms aller Kongreßbewegungen gestellt wird. In Amerika ist es geschehen. In Rußland wird es nicht ausbleiben. Und in Österreich und in Deutschland wird sich in der Art, wie diese Forderung verstanden wird, zeigen müssen, ob auch die österreichischen und deutschen Juden in ihrer breiten Masse reif sind, in der ganzen Aktion des Judentums aktiv mitzutun. Schon bestehen zentrale Realitäten, um die sich das ganze nationale Wollen kristallisiert. Die Idee der Gemeinschaft und der Tat, die verwirklicht