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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 3 · p. 214

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 3
Article
Syrien als Wirtschaftsgebiet [Rezension]
Date
1917-01-01
Page
214 (sequence 5)
Language
German
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214 Bücherschau dieser Beziehung hingeben, sondern vielmehr den Hauptteil der Energie und Kraft der Entwicklung der in der Tat bei genügendem Menschenzustrom außerordentlich zukunftsreichen Landwirtschaft zuwenden. Über die Entwicklung des Bergbaus läßt sich wenig voraussagen, und auch Dr. Ruppin verbreitet sich darüber nicht, begnügt sich vielmehr, die bisherigen minimalen Ansätze auf wenigen Seiten zu schildern. Vorläufig dürfte es sich im wesentlichen um das Vorkommen von Phosphaten, Petroleum, Steinsalz und Asphalt handeln. Eventuell könnte auch die Ausbeutung des Kali und Brom des Toten Meeres, vielleicht auch des Schwefels der Umgegend desselben in Betracht kommen, vermutlich aber ausschließlich zu lokalem Gebrauch, und zwar nur, falls die Regierung sie durch hohe Prämien oder Schutzzölle begünstigt, was kaum zu erwarten ist. Wichtig dagegen ist die Verbesserung des Handwerks, das noch einer beträchtlichen Entwicklung fähig ist. Möglicherweise wird es in Zukunft sogar in wirklich beträchtlichem Maße für den Export arbeiten, namentlich wenn die jüdischerseits verschiedentlich diskutierten Bestrebungen, es mit ländlichen oder vorstädtischen Kleinsiedlungen in Verbindung zu bringen, Erfolg haben sollten. Besonders das Kunsthandwerk für den Export, das sich ja in Damaskus noch erhalten hat und in Jerusalem durch die Bestrebungen des Bezalel wieder in der Entwicklung begriffen ist, dürfte bedeutende Zukunftsaussichten haben. Diese Erwartung beruht darauf, daß nach dem Kriege zweifellos ein sehr gesteigerter Fremdenbesuch des heiligen Landes einsetzen wird, da Palästina dann sowohl von Ägypten als von Konstantinopel zu Lande durch die Eisenbahn erreicht werden kann. Die dadurch geförderte Fremdenindustrie wird aber ihrerseits auch eine vermehrte Exportindustrie nach sich ziehen. Andererseits wird, was die Teppichknüpferei als wichtigste dieser Industrien betrifft, der Wettbewerb mit den Binnenländern der Türkei und Persiens dadurch in der Zukunft erleichtert werden, daß diese Gebiete jetzt auch durch Eisenbahnen mehr dem Weltmarkt angeschlossen sind, und es sich daher dort in Zukunft für die Eingeborenen mehr lohnen wird als bisher, landwirtschaftliche Handelsprodukte für den Export zu erzeugen. Durch diesen Anschluß an den Weltmarkt wird ferner auch der Wert der Arbeit dort steigen, der Wert des Geldes demnach sinken, so daß die Produktionskosten, z. B. der Teppiche, höher sein werden als vor dem Kriege. Auch in Smyrna, Damaskus, Urfa und anderen Städten dürften die bisher für Kunsthandwerk und Teppichknüpferei gezahlten Hungerlöhne infolge der Nachfrage nach Arbeitern vermutlich bald der Geschichte angehören. Daß die Juden gerade an der Entwicklung dieser Kunstindustrie regen Anteil nehmen werden, erscheint mir selbstverständlich, zumal sie seitens der in der Diaspora lebenden Stammesgenossen zahlungsfähige und willige Abnehmer erhalten werden. Hiermit kommen wir zum Handel, der nach den ausführlichen Mitteilungen Dr. Ruppins zwar differenziert ist, aber doch noch in primitiver Weise gehandhabt wird. Auch hier haben die Juden, die gerade in Syrien nach dem Kriege weniger als bisher unter dem Wettbewerb von Griechen und Armeniern leiden werden, ein großes Feld vor sich. Freilich sind weder die einheimischen christlichen Syrer noch die Levantiner und Europäer der Küstenstädte zu verachtende Konkurrenten, letztere zumal deshalb nicht, da sie duich die starke Macht europäischer Gioßhändler, Fabriken und Vereinigungen solcher gestützt werden. Immerhin ist zu erwarten, daß auch die Juden in Syrien sich mit der Zeit immer mehr den soliden Methoden, wie sie in Europa herrschen, zuwenden werden und dadurch das Mißtrauen besiegen dürften, das allen orientalischen Händlern, leider zu oft mit Recht, anhaftet. Zu dem recht ausführlich behandelten Abschnitt über Verkehrswege und Transportwesen ist vor allem zu bemerken, daß der Krieg zweifellos für diesen Wirtschaftszweig sehr günstig gewirkt hat. Nach Beendigung des Krieges wird sich vermutlich infolge der inzwischen fertiggestellten Eisenbahnen und Chausseen eine ziemliche Umwälzung im Verkehr Syriens vollziehen. Namentlich dürften Last- und Personenautomcbile als neue Erscheinung das Bild Syriens verändern, und auch der Ausbau der Häfen dürfte wohl nicht lange auf sich warten lassen. Konnte schon bisher Syrien infolge seiner längs des Meeres gestreckten Lage und seiner geringen Breitenausdehnung, an türkischen Verhältnissen gemessen, nicht gerade klagen, so wird es bald in Bezug auf sein Verkehrswesen eines dei bevorzugten Länder der Welt bilden. Daß dies wiederum den Fremdenverkehr und den Außenhandel in günstigem Sinne beeinflussen muß, liegt auf der Hand. Eine Folge hiervon wird ferner die Umgestaltung der Lebenshaltung in Dorf und Stadt sein, so daß auch dieser Abschnitt in

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