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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 3 · p. 215

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 3
Article
Syrien als Wirtschaftsgebiet [Rezension]
Date
1917-01-01
Page
215 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Daten und Materialien 215 Dr. Ruppins Buch schon bald nur noch geschichtlichen Wert haben dürfte. Wasserversorgung, Beleuchtung, Kanalisation, Straßenbahnen werden in stark vermehrtem Maße Eingang finden, der Hausbau und die innere Einrichtung der Häuser wird sich schnell verändern, hoffentlich nicht in unnatürlicher Nachahmung Europas, sondern in geschickter Anpassung an die dortigen Erfordernisse und Traditionen, die Boden- und Mietspreise werden steigen, das geistige und gesellschaftliche Leben wird nicht nur bei den Eingewanderten und dort schon lebenden Europäern ein regeres werden, sondern auch der konservative Araber wird, wenn auch in langsamerem Tempo, sich der Beeinflussung nicht dauernd entziehen können. So stehen wir denn wohl an dem Beginn einer neuen Epoche für Syrien. Dr. Ruppins Buch gibt uns ein klares, nüchternes, scharf umrissenes Bild des heutigen Syriens und wird als Zeuge einer interessanten Ubergangsperiode auch dann seinen Wert behalten, wenn die zu erwartenden Reformen das alte Syrien in jeder Beziehung umgemodelt haben werden. Viele Reste der vergangenen Wirtschaftsperiode werden sich freilich lange erhalten und vielleicht noch Jahrhunderte als altersgraue Ruinen auf die neue Zeit herabblicken. Syrien wird jedoch, je nach der politischen Konstellation schneller oder langsamer, als Wirtschaftsgebiet einen gewaltigen Aufschwung nehmen und zweifellos unter den Ländern des Mittelmeeres eine hervorragende Stellung einnehmen. Möge es uns Juden vergönnt sein, an diesem Aufbau nicht nur als Kärrner und Steinmetze teilzunehmen, sondern als freie Baumeister und hochgemute Architekten einen Teil unseres Geistes dem Bau einzuprägen. Unsere erste Pflicht wird es aber hierbei sein, dafür zu sorgen, daß aus der Synthese der orientalischen Grundlage mit einem westlichen Einschlag schließlich doch ein einheitlicher, fester und wohlgefälliger Bau entstehe. Otto Warburg Die „Bücherschau'* wird im nächsten Heft fortgesetzt werden. DATEN UND MATERIALIEN Der Anteil der Juden an der revolutionären Bewegung in Rußland Im Zusammenhang mit den aktuellen Vorgängen in Rußland dürfte es von besonderem Interesse sein, den Anteil der Juden an der revolutionären Bewegung in Rußland festzustellen. Daß die Beteiligung des jüdischen Elements am revolutionären Leben Rußlands eine überaus große und unverhältnismäßig hohe war, war dem Eingeweihten aus der Geschichte dieser Bewegung sowohl wie auch aus persönlicher Erfahrung hinlänglich bekannt. Einer zahlenmäßigen Feststellung freilich entzog sich dieses Mitwirken der Juden ani Befreiungswerke der russischen Völker wie auch der Anteil der anderen nationalen und sozialen Gruppen und der gesamte mit der Revolutionsbewegung im Zusammenhang stehende Tatsachenkomplex. Doch hat sich das russische Justizministerium mitten im Kriege bemüssigt gefunden, das gesamte gerichtlich-statistische Material in bezug auf die revolutionäre Bewegung in Rußland, namentlich in den belangreichen Jahren 1905 —1912, einer exakten Sichtung und Bearbeitung unterziehen zu lassen. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind in einer im Dezemberheft des Jahrganges 1915 des vom russischen Justizministerium herausgegebenen amtlichen allmonatlichen ,Journal des Justizministeriums*( veröffentlichten Publikation*) niedergelegt. Die „Ermittelungen" bringen u. a. auch hochinteressante Angaben über den Anteil der verschiedenen Konfessionen an der revolutionären Bewegung, aus denen auch die zahlenmäßige Beteiligung der Juden am Freiheitskampf Rußlands klar hervorgeht. Folgende Tabelle sei hier wiedergegeben: *) E. N. Tarnowski, Statistische Ermittelungen bezüglich der wegen politischer Vergehen gerichtlich belangten Personen in den Jahren 1905—1912. Journal des (russischen) Justizministeriums. Dezember 1915.

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