Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Syrien als Wirtschaftsgebiet [Rezension]
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 212 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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212 Bücherschau gesiedelten Tscherkessen das Klima nicht vertragen können, trifft demnach, wenigstens für die Kolonien im Ost jordanlande, nicht zu. Die deutschen Siedlungen treten dagegen in Bezug auf Seelenzahl stark zurück. Die 5 landwirtschaftlichen Ansiedlungen, 3 bei Jaffa und 2 bei Haifa, umfassen nur 36500 Dunam mit 600 Seelen, wozu dann noch 1600 Seelen in den städtischen Siedlungen Haifa (mit Karmelheim und Neuhardthof), Jerusalem und Jaffa hinzukommen, von denen erstere, mit 5000 Dunam, etwas Landwirtschaft treibt. Dagegen sind sie in Bezug auf die Einführung und Anpassung europäischer Landwirtschaftsmethoden Pioniere gewesen, vor allem in Bezug auf Viehzucht und Milchwirtschaft mit dem dazu gehörigen Futterbau. Während sie in diesem Gebiet und in Bezug auf Getreidebau noch heute in Syrien an erster Stelle stehen, sind sie in Bezug auf Pflanzungsbau, trotz guter Orangen- und Weinkultur, von den Juden überflügelt worden. Auch im Handel, in der Industrie und im Verkehrswesen haben die Deutschen, weit über ihre geringe Zahl hinaus, Gutes, zum Teil Vorbildliches geleistet, z. B. in der Müllerei, im Maschinenbau, in der Herstellung von Baumaterial aus Zement und Sand, in der Weinbereitung, im Hotelwesen etc., während wieder auf anderen Gebieten die Juden unbestreitbar jetzt an erster Stelle stehen. Jedoch ist dieser kleine Wettstreit von verschwindender Bedeutung vom Gesichtspunkt der Entwicklungsmöglichkeiten des gesamten Gebietes aus betrachtet, und es ist das Hauptverdienst Dr. Ruppins, durch die nüchterne und methodische Analyse sämtlicher wirtschaftlichen Betätigungen in vorbildlicher Weise klargelegt zu haben, bis zu welcher Stufe die einzelnen Produktions-, Handels- und Verkehrszweige gediehen sind, wonach sich dann unschwer beurteilen läßt, wo der Hebel in jedem einzelnen Fall am besten anzusetzen ist, um zu einer höheren Stufe zu gelangen. Der Verfasser selbst freilich zieht nur einige wenige Schlußfolgerungen, wobei er sich auf Einzelheiten gar nicht einläßt, vielmehr nur allgemeine Gesichtspunkte gibt. Als natürliche Vorteile Syriens zählt er auf: 1) die 700 km lange, den Güterverkehr erleichternde Küste, 2) die Intelligenz der städtischen sowie die Genügsamkeit und Gesundheit der ländlichen Bevölkerung, 3) die reichlichen Bewässerungsmöglichkeiten in der warmen, frostfreien Küstenebene und im syrischen Graben, 4) die außergewöhnliche Fruchtbarkeit einzelner Körnerbaugebiete, wie des Hauran, 5) die Anziehungskraft der heiligen Stätten für den größten Teil der Kulturmenschheit. Danach ist die bewässerte Küstenebene prädestiniert für einen einzigen großen Garten erlesenster Südfrüchte und feiner Gemüse, wie es in der Welt deren nur wenige gibt; letztere kommen besonders als Frühgemüse (primeurs) für Mitteleuropa in Betracht. Die Gebirgshänge werden dagegen am besten unbewässerte Baumkulturen, wie Oliven, Pistazien usw. tragen. Die Plateaus sind der gewiesene Boden für Getreidebau; Syrien könnte nach Ruppins Ansicht statt einiger Tausend in wenigen Jahrzehnten ebensoviel hunderttausend Tonnen Getreide ausführen. Auch auf die Entwicklung des Tabakbaues hofft Dr. Ruppin, wobei der Weltruf des türkischen Tabaks auch dem syrischen zu Gute kommen würde. Als landwirtschaftliche Nebenindustrien erscheinen dem Verfasser die Rohr- und Rübenzuckerfabrikation, sowie die Herstellung von Frucht- und Gemüsekonserven von der größten Bedeutung zu sein, aussichtsvoll auch die Erzeugung von Alkohol aus Durrha, Feigen und Johannisbrot. Auf dem Gebiet der eigentlichen Industrie wird es sich in erster Linie darum handeln, die in Syrien erzeugten Rohstoffe dort selbst unter dem Schutze des neuen Zolltarifs zu verarbeiten. Hierzu gehört vor allem das Spinnen und Weben von Wolle und Baumwolle sowie die Verarbeitung der Häute. Anstelle der fehlenden Kohle dürfte sich die weitestgehende Ausnutzung der bedeutenden Wasserkräfte empfehlen, für die ja auch schon Prospekte vorliegen. Zu einer sehr großen Einnahmequelle, besonders für Palästina, könnte schließlich der Fremdenverkehr durch Verbesserungen des Reise- und Hotelwesens gemacht werden. Es läßt sich nicht verkennen, daß diese Bemerkungen recht wenig sofort Greifbares bieten und auch nur zum Teil schon bald ausführbar sind. Eigentlich sind es bis auf die Förderung des Fremdenverkehrs nur Vorschläge, welche sich auf die Landwirtschaft beziehen, die einen schnellen Erfolg versprechen, und auch die erst dann, wenn die hinderlichsten gesetzlichen und administrativen Schranken gefallen sein werden. Wirklich Bedeutendes läßt sich aber nur erreichen, wenn ein größerer Strom von Einwanderern in das Land geleitet wird. Aber wie soll man diese heranziehen, wenn man nicht imstande ist, ihnen durch große Kredite die Umsiedlung schmackhaft zu machen? In Betracht kämen hierfür außer den Juden, die nach Palästina auch ohne besondere Begünstigungen gehen würden, [nur mohamedanische Einwanderer