Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Syrien als Wirtschaftsgebiet [Rezension]
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 211 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3101111-3101126-3101129-3102052--1488-3102141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Bücherschau 211 sowie trotz des Fehlens staatlicher Kreditunterstützung weiterzukommen, so weiß doch jeder, welche Mühe es gekostet hat, und welche Mittel dazu nötig waren; wer daran mitgearbeitet hat, weiß auch, wie schwer es ist, unter den gegenwärtig herrschenden Bedingungen das hierzu nötige Kapital in nur einigermaßen genügender Menge herbeizuschaffen. Es ist selbstverständlich, daß der Verfasser des vorliegenden Werkes die gleichmäßige Anordnung des Stoffes streng zu bewahren bestrebt sein mußte und daher den ökonomischen Verhältnissen der in Syrien lebenden Juden nicht in stärkerem Maße Rechnung tragen konnte, als ihnen nach Zahl und wirtschaftlicher Bedeutung gerechterweise zukommt. Er beziffert die Zahl der in Syrien lebenden Juden auf 115000; hiervon wohnen nach ihm 45000 (6o70 der Gesamtbevölkerung) in Jerusalem, 15000 in Aleppo, je 10000 in Damaskus sowie in Jaffa, 8000 in Saffed, 5000 in Beirut, 4000 in Tiberias, 3000 in Haifa, 1000 in Hebron und 500 in Saida; dazu kommen 12000 in etwa 40 landwirtschaftlichen Siedlungen in Palästina. Unter einer Gesamtzahl von fast 31/2 Millionen Einwohnern leben in Syrien demnach nur ungefähr 3,4 v. H. Juden. Diese würden eine verschwindende Minderheit bilden, falls sie gleichmäßig über die 200000 qkm des ganzen syrischen Gebietes verteilt ansässig wären. Da aber auf den noch nicht 30000 Quadratkilometern Palästinas 85000 Seelen von ihnen beisammen sitzen, so machen sie unter der dortigen Bevölkerung von 690000 Einwohnern immerhin etwa 12,3 v. H. aus, bilden also etwa den achten Teil der palästinensischen Bevölkerung. Eine weit größere Bedeutung kommt ihnen aber im Handel und in der Industrie Syriens zu, und daher stößt man in den diese Materie behandelnden Abschnitten des Buches wiederholt auf ihre Tätigkeit. In dem Kapitel über europäischen Einfluß in der syrischen Landwirtschaft wird den jüdischen Ansiedlungen ein besonderer längerer Unterabschnitt gewidmet, mit einer ausführlichen Tabelle über die Kolonien, ihr Gründungsjahr, Fläche, Seelenzahl und die hauptsächlichsten Kulturen im Jahre 1914, Danach besaßen die etwa 12000 Seelen der 43 aufgezählten Ansiedlungen rund 400000 Dunam (zu 919,3 qm). In den 17 Kolonien Judäas gab es im März 1915 unter 7499 jüdischen Einwohnern einschließlich der Familienmitglieder 2735 Kolonisten, 2381 Lohnarbeiter, darunter 941 Jemeniten, 1268 Handwerker und 115 Angehörige sonstiger Berufe oder Berufslose. Es gab gleichzeitig in diesen 17 Kolonien an Pflanzungen79oo Dunam Orangen im Werte von 9480000 Francs, 12000 Dunam Wein im Werte von 2400000 Francs, 27000 Dunam Mandeln im Werte von 4050000 Francs und 7200 Dunam Oliven und sonstiges im Werte von 1080000 Francs. In den übrigen jüdischen Kolonien Palästinas gab es schätzungsweise 1300 Dunam Orangen im Werte von 1300000 Francs, 2000 Dunam Wein im Werte von 40000 Francs, 27000 Dunam Mandeln im Werte von 1500000 Francs, 2000 Dunam Oliven im Werte von 300000 Francs und 2000 Dunam Eucalyptus im Werte von 2000000 Francs. Der Gesamtwert der Pflanzungen aller beläuft sich also auf rund 21 Millionen Francs. Dazu kommt der unbepflanzte Boden, etwa 340 000 Dunam zu je 50 Francs, also etwa 1 Million Francs, ferner Gebäude, Weinkellereien, Wasserleitungen, totes und lebendes Inventar, so daß ein Gesamtwert von 60 bis 70 Millionen Francs herauskommen dürfte, während die jährlichen Ernten auf 43/4 Millionen Francs zu veranschlagen sind, darunter 2 Millionen Francs für 600000 — 700000 Kisten Orangen, 1,2 Millionen Francs für Getreide, Hülsenfrüchte und Sesam und je 1/2 Millionen Francs für 7200000 kg (25000 Kantar) Weintrauben und 500000 kg Mandeln. Vielleicht noch etwas ausgedehnter ist die Muhadschir-Siedlung in Syrien, indem etwa 30—40 Tscherkessendörfer, von denen jedes aus 80—200 Familien besteht, also gegen 5000 Familien mit 15000 Seelen, ungefähr 500000 Dunam Land inne haben. Besonders im Ostjordanland sind sie seitens der Regierung angesiedelt, sie sitzen in den alten Ruinenstädten Amman und Dscherasch, ferner in Kafr-Kama bei Tiberias und besonders in Kunetra östlich des Meronsees, das jetzt ein schon beinahe stadtartiges Dorf mit regelmäßigen, gepflasterten Straßen geworden ist. Es sind mutige, freilich auch jähzornige und gewalttätige Leute, die von den Beduinen als freiwillige Grenzwache gefürchtet werden; sie tragen noch die alte Kleidung, langen Rock mit Patronengürtel und Fellmütze, heiraten nur untereinander und haben Verständnis für Viehhaltung sowie Ordnung im Hause. Auch besitzen sie besseres landwirtschaftliches Gerät als die Fellachen, haben Lastwagen, deren zwei Räder aus massiven Holzscheiben und Eisenreifen bestehen, und bauen neben den ortsüblichen Feldfrüchten auch Hafer an. Die in der Literatur zuweilen sich findende Angabe, daß die in Syrien an-