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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 3 · p. 172

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 3
Article
Idee und Organisation
Date
1917-01-01
Page
172 (sequence 10)
Language
German
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Albrecht Hellmann: Dann wird einmal deine Stunde kommen — die tausendjahrelang ersehnte — die erreichte Stunde. Dann wirst du stehn auf dunklem Erde-Hügel in der Sterne-Glanznacht. Und deines Geistes Schwert wird glänzen — das zerspaltende! — Und du wirst es fassen: und wirst es stoßen: jubelnd: mit der Macht Gottes —: mitten in dein Herz. Was sich aus dem heutigen Schicksal der jüdischen Seele als Forderung ergibt, ist das Opfer. Die jüdisch-christliche Vorstellung, jedes Opfer müsse seinen Lohn finden, dieseits oder jenseits, das Opfer bedeute eine Erlösung und Entsühnung, widerspricht dem tiefsten Wesen des Opfers, das nur um seiner selbst willen ist. (Das Opfer ist auch nicht um Gottes willen, sondern um des Menschen willen. Sein Sinn liegt nicht außerhalb, sondern in ihm. Das wirkliche, nicht das gottgefällige Opfer ist die reinste Immanenz und darum durchaus unjüdisch). Diese jüdische Auffassung des Opfers bricht am Schluß auch bei Mombert durch: das Herz, die Seele, die das Schwert des Geistes verschlingt, ,,löst es in sich", erlöst sich. ,,Dann kommt die Gnade über dich". — Das Judentum und mit ihm das Christentum kennt das Opfer nicht, es kennt nur die Sühne und die Versuchung (von der Opferung Isaaks, die nicht vollzogen wird, sondern mit der Gott Abraham nur ,,versucht", bis zur „Versuchung in der Wüste"). Das Judentum und das Christentum kennt darum auch die Gemeinschaft der Seelen, die Gemeinschaft des Lebens nicht, die bisher nur einmal verwirklicht worden ist, in der indischen Kaste, die es „verstanden hat, dem Menschen Gegenwart zu verleihen, oder, wenn auch nicht Gegenwart, da diese ein Attribut der Götter zu sein scheint, so doch Maß." Beide kennen nur die religiöse, die Gottesgemeinschaft. „Der Inder stellte anders als der Jude, und nach diesem das ganze Abendland, die Frage nach dem Anfang und Ende der Dinge, denn der Jude wollte wissen und handeln. Der Inder will sein, und so weiß er, daß Anfang und Ende im bewegten Dasein eingeschlossen und in jedem Augenblicke da seien, und so vermag er sich nicht zu isolieren, und der Ausdruck seiner Zusammengehörigkeit mit dem Dasein, ja seiner Einheit mit sich selber ist das Opfer. Die Tat ist Tat und das Wissen Wissen, so Anfang und Ende auseinanderliegen und der Mensch sich zwischen Anfang und Ende behaupten oder vom Anfang bis zum Ende fortschreiten will. Um des Opfers willen jedoch sind Anfang und Ende ineinander. Der Opfernde hat keine Geschichte, der Opfernde ist ewig"- (Rudolf Kassner, Der indische Gedanke). Der Opfernde ist weder der Gläubige Gottes oder der Idee, noch der Gläubige der Organisation oder des Idols, er ist weder religiös mittelst der unmittelbaren Tat, noch religiös mittelst des mittelbaren Tuns, denn er besitzt überhaupt kein Objekt, weil auch das unmittelbarste Objekt immer noch Mittel ist, Mittel des Subjekts. Der Opfernde ist weder organischer Geist noch mechanische Energie, er ist sich verschwendende Seele; er ist weder Transzendenz noch Selbstzweck, er ist Immanenz; er ist namenlos, gesetzlos, wortlos, zeitlos; er spielt sich nicht mehr, betrügt sich nicht mehr, sondern weiß und wirkt sich. „Der Opfernde ist unvergleichlich und geheimnisvoll, wie immer er sonst sei, und nur Gott versteht

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