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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 3 · p. 161

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Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 3
Article
Die jüdischen Gemeinden in Österreich
Date
1917-01-01
Page
161 (sequence 10)
Language
German
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Die jüdischen Gemeinden in Österreich 161 Die Ummodelung der „israelitischen Kultusgemeinden" in wirkliche jüdische Gemeinden ist seit vielen Jahren eine der wichtigsten Forderungen des zionistischen Gegenwartsprogramms. Schon 1903 haben die österreichischen Zionisten ein detailliertes, demokratisches Kahalprogramm aufgestellt (Referent Dr. E. M. Zweig), ein Jahr später hat der verstorbene Abgeordnete Dr. Gabel im Lemberger Almanach ausführlich über das zu erstrebende Kahalprogramm referiert und 1908 folgten die österreichischen Poale Zion gleichfalls mit einem detaillierten Programm, das wesentliche Punkte vom Wiener Programm herübergenommen und einige prinzipielle Forderungen neu eingestellt hat. Dieses Programm bedeutet den ersten Versuch, die Reform der jüdischen Gemeinden mit der einzuführenden nationalen Autonomie zu verbinden. Wir lassen hier die wesentlichen Punkte folgen: „Die bestehenden „israelitischen Gemeinden" müssen aus sich heraus eine Revision der Gemein<?eoic,r;i:rjg cnsüefcen im Sinne einer größeren Selbständigkeit gegenüber den Staatsbehörden. Sie müssen, des religiösen Charakters entkleidet, in nationale Körperschaften verwandelt werden. Als konkrete Forderungen werden aufgestellt: I. Allgemeines, direktes, geheimes Wahlrecht unter Ausschluß der geringsten an Stand, Besitz, Geschlecht oder Steuer gebundenen Sonderrechte; Beseitigung des Betätigungs¬ und Vorrechtes der administrativen Behörden. II. Deckung des Gemeindehaushaltes durch direkte, progressive Einkommen- und Erbschaftssteuer. Sämtliche Anstalten und Vereinigungen zu gemeinnützigen Zwecken sollen der Gemeinde unterstehen. III. Umgestaltung der Wohlfahrtsinstitutionen der jüdischen Gemeinden im sozialen Geiste, im Sinne moderner Sozialpolitik und neuester Verwaltungsprinzipien. IV. Die zweckdienliche Verwendung der Gemeindeeinkünfte: 1. Zur Förderung der Volksbildung: a) durch Errichtung von jüdischen Volksschulen durch unentgeltlichen Unterricht; Unentgeltlichkeit aller Lehrmittel; b) Anlage von Bibliotheken, Lese-und Toynbeehallen; c) Gründung und Förderung jüdischer Theater, Förderung von statistischen Erhebungen. 2. Zur Förderung der Volksgesunc'heit durch: a) gewissenhafte Wohnungskontrolle; b) Anstellung von Gemeinde- und Schulärzten; c) Kranken- und Wcchnerinnenprlege, Verabreichung billiger Milch für Säuglinge; d) Ferienkolonien für Schwache und Kranke; e) Ausspeisung armer Schulkinder. 3- Unentgeltlichkeit der Leichenbestattung, Abschaffung der Beerdigungsklassen. 4. Auf dem Gebiete der Sozialpolitik: a) Errichtung von Fach- und Gewerbeschulen, zwecks Ausbildung eines qualifizierten Arbeiterstandes; b) Förderung von jüdischen genossenschaftlichen und gewerkschaftlichen Organisationen; c) Einführung von unentgeltlichen Bureaus für Stellenvermittlung und Auskunftsgebung in bürgerlichen Rechtsfragen; d) Errichtung von Emigrationsämtern nach Maßgabe des Bedürfnisses; e) Gründung von Gemeindekreditkassen, die zugleich Versicherungskassen bilden können; f) Einsetzung von Ortarmenräten, denen auch die Waisenpflege zu übertragen ist; g) Versicherung und Pensionierung der Gemeindeangestellten."j Der zweite Teil, der von dem Zusammenschluß der Gemeinden und den Voraussetzungen der nationalen Autonomie spricht, wurde bereits angeführt (Der Jude Heft 5). Ein Versuch, einen jüdischen Gemeindebund zu bilden, wurde 1908 von der Wiener Kultusgemeinde unternommen, das Projekt scheiterte jedoch an dem dumpfen Widerstande der galizischen Kahalspaschas, die von Neben- und Hintergedanken sich leiten ließen. Außer der Opposition der galizischen Großgemeinden, dle gleichzeitig die Exposituren der polnischen Macht- und Wahlpolitik sind "eft 3. ri

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