Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Aus "Der Gerichtstag"
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 116 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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n6 Franz Werfel: Ich habe die fremde Sängerin verstanden, Zur Laubzeit das verrückte Bettlerpaar, Die häßlich schönen englischen Gouvernanten, Die in der Türe standen, Ich habe sie verstanden, Als ich ein Mensch war. Nun ist in mir So eine Säule Schmerz, Ein Starren vorbei, ein Tod! Ich weiß nichts mehr von Dir. Die Welt ist Salz, Eis, Erz, Die Welt ist Weib des Lot. Sie ist Säule, weil sie rückwärts sah In mein Sodom und Gomorrha. Hölle Nacht, ein Manteltanz in meiner Zelle! Eisig mißt den Rücken eine Eisen-Elle, Aller Atem meutert, böser Knecht. Füße sind am Pol erfroren, Widrig bäumt sich das Geschlecht. Finsternis gießt böse Milch in meine Ohren, Pumpwerk stampft durch stumpfe Poren, Bin ein schwerer Berg und zugepecht. Ach, ich wollte so gut schlafen, Und nun schreiten um mich meine fernen Strafen, Leiberkreis wie Pauken-Schritt, Schritt, Schritt. Ich bin nur Gewicht und Masse von Unschlitt. Weiß durch meine Knochen Schuld-Sirenen pfeifen, Und in meiner Kehle piept ein kleines Säuglings-Keifen, Meine Enkel klagen an. Ich piepse mit. Ach, es ist nicht Qual von dieser Erde, Und kein Schmerz von hier diese Beschwerde, Und kein Leid von unserm Leid, was ich jetzt litt. Ticken wächst zum Takt, in fremde Uhrenschläge, Und geheimes Werkzeug schallt — Beil, Hobel, Säge. Greisend fühl ich, daß ich Grinsen bin. Und ein Schwindel schwirbt mein Grinsen hin. Und ich möchte fallen, fallen, fallen Durch das Schallen dieser Nacht in Nacht, aus allen Nächten, durch die Uhren, Ahnenuhren und Urahnenuhr. Und mich wieder rollen und mich wieder ballen, Mich zerschellen an das Chaos-Schallen, Krallen an die letzte Mutterschnur.