Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Aus "Der Gerichtstag"
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 115 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus „Der Gerichtstag*1 Ich rief Dich an aus meinen Tiefen. Aber mein Antlitz trug sein Grinsen umher. Mit der rechten Hand strich ich den Kitt meines Lächelns zurecht. Und alle taten also. Wir saßen zueinander, doch jeder gerichtet in anderen Winkel. Mit beiden Händen bedeckten wir eine Stelle unserer Anwesenheit, der wir nicht Wir redeten lange Streifen von Worten, . . . [trauten. Die aber waren geboren am Gaumen, Und nicht gelangen uns Frohsinn und Schmerz, Wie unsere Gurgel log. Aus meinen Tiefen rief ich: Wo bin ich, wo sind wir? Umstellt von Unabänderlichkeit, verstoßen in erbarmungslose Gelächter, verschlagen aufs Eiland schiffbrüchiger Kartenspieler! Unsere Ruhe ist Tod, Unsere Erregung Fäulnis! Wir sind gebeizt, gesalzen, geräuchert von böser Entwöhnung! Verlernt ist der Ursprung, Verlernt der ruhende Blick, Verlernt das Daliegen in den Himmel! Aus meiner Tiefe rief ich Dich an, Denn hier rettet kein Wille mehr, hier rettet nur Wunder. Tu Wunder! Lied Ach, es ist nicht gut zu sagen, Denn wer sagt, versagt. Könnten wir den Schwall ertragen, War er Baum, der ragt. Alle Wesen — Augenabend — Kommen wie die Hirschkuh trabend, Lehnen zart das Innig-Scheue Ihres Haupts an unsre Atemtreue. Aber wir, ein schwarzer Samen, Lügner, die zu Worte kamen, Tatlos Tauscher, Tuer, Täter, Weltzernenner, Waldverräter, Morden Gott und uns mit Namen Namen. Lied Einmal hab ich das Feuerchen verstanden, Als ich ein Schmied war, halbtraumverraucht. Auch das Wässerlein hab ich verstanden, Als ich ein Flußgott war In Mittagsmuschel, Sonnenschlamm getaucht. 8*