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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 1-2 · p. 111

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 1-2
Article
Vorbemerkung über Franz Werfel
Date
1917-01-01
Page
111 (sequence 3)
Language
German
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Vorbemerkung über Franz Werfel III Verzweiflung bergende Sicherheit, die ich seine prästabilierte Distanz nennen will. Die Welt ist gegenständlich, ist sein Gegenstand; das besagt der unverbrüchliche Vertrag zwischen ihm ünd ihr. Daher stammt jene keiner andern vergleichbare Vertrautheit des Dichters mit der Welt, die unsterbliche Mitte zwischen Fremdheit und Vermischung. Er kann sich der Welt nicht anders verschmolzen fühlen, als indem er seine Seele selber zu Gegenstand verwandelt: im Gedicht; er kann sich kaum je nach einer andern Verschmelzung sehnen, nach einer, die seine prästabilierte Distanz, seine letzte Sicherheit aufhöbe. Erwacht diese Sehnsucht dennoch, dann ist sie nicht ein Moment im Leben, der zum Gestern werden kann, sondern abschließendes Schicksal, das hohe Verhängnis der Empedokles und Hölderlin. Anders ist es bei einem Dichter von Werfeis Art. Zwischen ihm und der Welt fehlt der Vertrag, fehlt die Vergegenständlichung, durch die sie dem Dichter geheimnisvoll angelobt und so verbunden wie entrückt wird. Er kennt keine Schranke als die der natürlichen Einsamkeit des Ich. Aus ihr sehnt er sich, je weniger die primitive Vertrautheit des Kindes dem andringenden Ereignis standhält, um so tiefer nach Vereinigung. „Ich möchte fort, ich möchte in die Welt!" „Warum bin ich nicht durch die Welt gespannt?" Aber unerbittlicher als anderen ist ihm die Vereinigung geweigert: weil es nicht das Du, sondern das Ich der Dinge ist, das ihm entgegentritt, und weil die Ichheit sich wie dem Vertrag so der Vereinigung versagt. Jene Weigerung wird immer mehr zu Werfeis zentralem Gefühl: „Und das Wort, das waltet, heißt: Allein! ... Eines weiß ich, nie und nichts wird mein". Aber zu Unrecht deutet er auf sich: „Ich bin so zugebaut!" Er ist unendlich offen — aber nur dem Ich der Dinge, nicht ihrem Sein, das allein dem, der Ich ruft, ein anderes als das Echo wort zu entgegnen vermag. In diesem wahrhaften Sinn ist die Verlegung der „Schuld" als des Urgrunds aller Einsamkeit in das Ich gerechtfertigt. Zwar spricht sie Werfel der Welt zu: „Die Welt ist Abfall ... Die Welt ist Bruch und Schuld auf immerdar". Aber der eigentliche Ort der Entzweiung wird mit immer tieferer Geltung die Seele. Das Gefühl der „Wand" zwischen Ich und Welt verdichtet sich zu dem einer Wand im Subjekt selber. Im Subjekt selber ist das Ich vom .Sein abgefallen. Die Einsicht wird hart und klar: „Ja, wer niederfährt zu diesem Stand, wo das Einsame sich teilt und spaltet". Aber auch diese ungeheuer ichhaft erlebte Fatalität ist nur die Schwelle zu einer anderen: zu der des Widerspruchs zwischen dem vorgefundenen und dem gemeinten Menschen. In einer frühen freudigen Stunde war das kindliche Wort erklungen: „Eine gute Tat habe ich getan. Nun bin ich nicht mehr einsam ... Tausend gute Taten will ich tun!" Jetzt aber erscheint das Gute in einer Paulinisch schwermütigen „Empfindung des Entfernten", und die Pein des Widerspruchs steigert und reinigt sich in einem der schönsten Gedichte zu der Frage: Was schufst du mich, mein Herr und Gott, Der ich aufging, unwissend Kerzenlicht, Und dabin jetzt im Winde meiner Schuld, Was schufst du mich, mein Herr und Gott, Zur Eitelkeit des Worts,

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