Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Vorbemerkung über Franz Werfel
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Franz Werfel: Und daß ich dies füge, Und trage vermessenen Stolz, Und in der Ferne meiner selbst Die Einsamkeit?! Was schufst du mich zu dem, mein Herr und Gott? Und nun erwacht auch der letzte, äußerste Zweifel, der Zweifel am Wort. Jener auf der gegenständlichen Anschauung gegründete unverbrüchliche Vertrag zwischen dem Dichter und der Welt verbürgt ihm die unanfechtbare Wahrheit seines Wortes, seiner Grundfeste. Hier aber fehlt diese Bürgschaft, hier redet das Wort nicht aus einer von der dichterischen Moira eingesetzten Ordnung, sondern aus dem Abgrund des Ich, hier kann der Zweifel, kann die Verzweiflung am Wort aufsteigen und so zerstörerischen Ausdruck gewinnen wie in dem „Fluch des Werkes" und in einigen der jüngsten Gedichte. Hier stehen wir am Rande des dichterischen Kosmos. Brauche ich noch auszusprechen, was das ist, was so erlebt und in einem unangreifbar echten Sprachgefüge gedichtet ward? Wessen innerlichste Not — wahrlich nicht die eines Einzelnen und gewiß nicht die des heutigen Deutschen — hier zum reinen Bekenntnis gedieh? Wer, wenn er zum Dichter berufen wird, der Sicherheit, die aus der Gegenständlichkeit quillt, entbehren muß und, bis er sich selber erlöst, allem Grauen der Problematik ausgeliefert ist? Und wem in einem frühen, wunderbar überbewußten Vers Franz Werfeis die Erlösung vorgeahnt ist: Schon naht die schmerzliche Stunde der Geburt, Da er sich selbst gebiert, der hinfällige Mensch. Martin Buber AUS „DER GERICHTSTAG"*) Gedichte von Franz Werfel Vorspruch Sei Wächter, du erstes Wort, Mit hohem Stabe vor schwarzem Tori Sei Türmer, du erstes Wort, Mit beschwörendem Horn hinab und empor! Zurück! Das ist ein böses Haus, Seid auf der Hut vor Fluch! Flieht den Flur! Hier pocht verführtes Blut, hier pendelt Irrtum-Uhr. *) „Der Gerichtstag" ist der Titel eines noch nicht veröffentlichten Buches, dem diese Stücke entnommen sind.