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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 1-2 · p. 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 1-2
Article
Vergessene Kunst
Date
1917-01-01
Page
70 (sequence 6)
Language
German
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7o Sigmund Bromberg-Bytkowski: Sowohl in der rein konstruktiven als in der ausschmückenden Anwendung dieser Motive kommt der silhouettenartige Ausschnitt aus einer dicken Metallplatte, somit das flachornamentale Prinzip, vor. Die alte Überlieferung lebt in diesen Gebilden stärker als in den Kronleuchtern, in denen es übrigens ebenfalls solche flachornamentale Ausschmückungen gibt und die auch in ihren rein konstruktiven Linien neben den barocken auch Elemente des alten Flachornaments enthalten, wie ja der Barock im allgemeinen von der zeichnerischen Linie stark beeinflußt war. Sehr schön sind die Wandlichtspiegel für die Leuchter. Hier wie in dem Messing-, Rotguß- und Kupfergefäß, in den Platten, Schalen oder Becken kommen ähnlich wie beim Silber neben dem getriebenen Pflanzen- und Tierornament häufig auch bildliche Darstellungen mit Tier und Mensch in Treibarbeit vor* Obwohl an sich, insbesondere in den Motiven, moderner und vom Stil der Zeit abhängiger, verrät dieser plastische Schmuck doch seine Verwandtschaft mit der alten flachornamentalen Überlieferung. Sie liegt in der kompositioneilen Anordnung der Zeichnung auf die Fläche, in der Flächenumrahmung und Flächenfüllung. Dabei gemahnt die Art der Her aus treibung der erhabenen Relief stellen an die alt jüdische Gold- und Silberstickerei mit unterlegter Polsterung zum Zwecke der Heraushebung des Musters, Die Treibarbeit hier, wie die Polsterung der Stickerei dort, verfolgt das Prinzip, das uns schon beim silhouettenartigen Ausschnitt aus einer Platte begegnet ist und noch in der Steinmetzkunst begegnen soll. Es beruht darauf, daß die erhabenen Stellen sowohl wie die vertieften je eine einheitliche ebene Fläche bilden. Dadurch wird bewirkt, daß die Flächendarstellung nicht mit der Tiefendarstellung in Widerspruch gerät und so die stilistische Einheitlichkeit des Eindrucks nicht zerstört wird, etwas, was in den Reliefdarstellungen des Abendlandes seit der Gotik nur zu oft vorkommt. Die Treibarbeit selbst entwickelt sich mitunter zur größten Vollendung, die Anordnung in der Fläche weist hier, wie ausnahmslos auf allen anderen Gebieten, jenen sicheren Instinkt auf, der keine tote Stelle zuläßt, der den Zweck der Ausschmückung, die Belebung, Füllung oder Abschließung (Umrahmung) durch einfachste Mittel mit nie versagendem Erfolg erreicht. So sind in dieser Messingschmiedekunst die wertvollsten Überlieferungen des Ostens lebendig und treu bewahrt, sinngemäß angewandt und fortgeführt sowohl bei der Gestaltung im Raum als auch bei der ornamentalen Behandlung der Fläche* In den ornamentalen Motiven tritt uraltes mythisches Gut zutage, in ihrer Stilisierung ein feiner künstlerischer Sinn, überall eine schöpferische Kraft und Zucht die den Stoff nach Inhalt und Zweck formt und nach dem Sinn. Eine Welt von Schönheit hat sie hervorgebracht, die den Betrachter immer von neuem anziehen muß. Obenan aber steht der Leuchter in allen seinen Abarten, der Krön-, der Wand- und Standleuchter. Wenn in ihm die Kerzen aufflammen und in dem matt glänzenden Metall die Funken des Widerscheins aufsprühen, so ersteht neben dem Spiel der Form noch das feine Spiel der Farbe. Zum matten Weiß der Kerze und dem flackernden warmen Licht der Flamme gesellt sich das in allen seinen Windungen, Schwellungen und Rundungen leuchtende Goldgelb des Messings. 4- Ist es ein Zufall, daß sich die jüdische Messingschmiedekunst mit einer ganz besonderen Liebe und Hingebung und mit glänzendem schöpferischen Erfolg dem

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