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Der Jude · 1917-01-01 · Heft 1-2 · p. 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
2 (1917-1918)
Issue
Heft 1-2
Article
Die Assimilation um der Menschheit willen
Date
1917-01-01
Page
45 (sequence 14)
Language
German
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Die Assimilation um der Menschheit willen 45 Keime, Keim künftiger Gipfel. Und wäre er zehnmal sterblich und gebrechlich — was er begonnen, setzt seine Nation fort; wo er unschön geblieben, wird seine Nation vollkommen werden. Dieser elementare Wunsch, unsterblich zu sein, wird bei manchen Menschen ergänzt durch den Wunsch, unsterblich zu werden. Ihnen genügt die natürliche Ewigkeit, die anonyme Unsterblichkeit ihrer wesentlichen Existenz nicht; sie wollen mit Namen unsterblich werden auf Grund ihrer Werke. Das ist das seelische Fundament der Produktiven. Begehrlichkeit, Überhebung, Maß- und Rastlosigkeit schlummern in ihnen, und nur das sichere Ruhen an einer unverlierbaren Stelle des Kosmos vermag ihr Dasein und ihre Erscheinung vor der Verzerrung zu hüten. Der Jude, der sich losgelöst der Menschheit ergibt, negiert diese Stelle im Universum. Für ihn gibt es keine Zukunft, keine Ewigkeit, die sich nicht an seinen Namen knüpfte; denn die Kette der Kontinuität reißt er ab hinter sich und will sich nicht in eine andere einfügen. Er will es nicht, wenn er auch könnte: anders als der Deutschgewordene. Wir kennen diesen Typus. Produktiv nicht aus Überfülle, sondern aus Not; weil dies der einzige Weg zu seiner Unsterblichkeit ist. Und diese werden die Menschheit erfüllen, diese wollen ihr dienen? Sich machen sie die Menschheit dienstbar. So unersättlich ist ihre Ruhmbegier: nicht der enge Kreis einer Nation genügt ihnen, für die ganze Menschheit wollen sie schaffen, wollen sie unentbehrlich sein, damit die ganze Menschheit sie rühme und ihren Namen verewige. So anspruchsvoll ist ihr Mitleid: nicht einem Menschen wollen sie helfen, nicht einmal einem Volke. Zu wenig, der ganzen Menschheit sind sie hilfsbereit, damit ihnen selber geholfen werde. Wir verstehen, wie jene Menschheit, von der allein hier die Rede ist, nicht nur die Ideologie einer wirtschaftlichen Tendenz ist, sondern auch die Ideologie eines innerlich gebrochenen Seelentypus. Und wie sie wirken muß in jenem Kreis von Juden, in dem sich beide Kräfte treffen: in der assimilatorischen Jugend im Westen. Wir glauben ihnen nicht mehr. In Wahrheit gibt es für sie kein drittes, sie stehen vor einer klaren Wahl. Sie müssen Deutsche oder Juden sein. Das verlangt auch die Idee Menschheit von ihnen. Verschlungenen Beziehungen, verworrenen Gedankengängen und kaum bewußten Tendenzen, Wünschen und Einstellungen galt es bisher nachzugehen, und so ist die Darstellung selbst verschlungen, wenig klar und allzu einschränkend geworden. Nun aber, wo abschließend und zusammenfassend die Aufgabe des politischen Juden gegenüber den aufgezeigten Tatsachen anzudeuten ist, dürfen wir klarer und kürzer sprechen. Juden, die sich zur deutschen Nation bekennen, kümmern uns nicht. Sie können nicht Subjekte der jüdischen Bewegung und deshalb nicht Objekte ihrer Propaganda sein. Sie haben aber überdies ein Recht, nicht als Objekte unseres Hasses und unserer Verdächtigung zu dienen, so gut wie sie, wenn es ihnen beliebt, an der Förderung des Basler Programms sich beteiligen können. Die Juden, welche sich assimilieren wollen, gehen uns an, denn diese gestehen ein, daß sie es nicht sind. Wir wünschen, daß es ihnen nicht gelinge. Zu diesem Zweck sind in der Abstraktion zwei Gruppen zu unterscheiden und unterschiedlich zu behandeln. Erstens jene, deren Assimilationswunsch aus wirtschaftlichen Kräften entspringt. Deren Wunsch ist nur zu verändern durch wirtschaftliche Maßnahmen. An erster Stelle durch die Erstarkung der nationalen Wirtschaft in Palästina und

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