Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 2 (1917-1918)
- Issue
- Heft 1-2
- Article
- Der jüdische Kongress
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 13 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der jüdische Kongreß 13 der Welt zu leben, nicht proklamieren darf, eine Versammlung, die nur das Recht hat, dem Beifall zu klatschen, was eine kleine Clique vorher bestimmt hat, — eine solche Zusammenkunft darf nicht den ehrlichen Namen eines jüdischen Kongresses tragen. Nach außen hin wird diese Kongreß-Maskerade dem jüdischen Volke vielleicht weniger nützen als schaden, im Innern aber wird sie die Macht unserer absolutistischen anti-nationalen Plutokratie und der Schleichpolitiker stärken . . . Auch wir wollen den Frieden, aber nicht einen Frieden, der mit den vitalsten Interessen und mit der Ehre des jüdischen Volkes erkauft wird. Nieder mit einem Frieden, der das jüdische Volk gefesselt einer volksfremden und volksfeindlichen Clique ausliefert. Weiset das Kompromiß zurück, das auf ungesetzlichem Wege geschlossen wurde und gegen die ausdrücklichen Instruktionen der jüdischen Demokratie Amerikas verstößt! Der jüdische Kongreß kann nur ein freier und demokratischer sein, er kann nur ein nationaler sein!" Der Erfolg übertraf alle Erwartungen. Zahllose Organisationen schlössen sich dem Protest an. „Das Referendum verwandelte sich", wie die „Jüdische Arbeiter- Korrespondenz" richtig bemerkte, „in eine Urabstimmung von einem Umfang, wie sie in der Geschichte der jüdischen Organisationen noch nicht dagewesen ist. Die meisten Vereine überließen es keineswegs ihren Delegierten in Philadelphia, nach persönlichen Ansichten zu stimmen. Innerhalb der Organisationen wurde die Annehmbarkeit des Kompromisses leidenschaftlich diskutiert. Bemerkenswert ist, daß der Vorstand der zionistischen Föderation, deren führende Mitglieder an dem Zustandekommen des Kompromisses beteiligt waren, unter dem Druck der öffentlichen Meinung sich dazu bequemen mußte, den zionistischen Vereinen die Freiheit der Abstimmung zu geben. In der Tat stimmten außer den Sozialisten der Poale-Zion-Richtung und deren Anhängern sowie dem Misrachi auch die zionistischen Vereine in ihrer Mehrheit gegen die Friedens-Vereinbarung." Der grundsätzliche Teil des Kompromisses wurde mit 127 gegen 116 Stimmen verworfen. Was sollte nun geschehen? Die „Naye Welt", die Wochenschrift der jüdischen sozialistischen Federation, schrieb nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses, die Poale-Zion hätten durch ihren nationalen Radikalismus den Kongreß zu Fall gebracht. In der Tat wollte das N. A. K. von neuen Unterhandlungen nichts mehr wissen. Aber sein HörigkeitsVerhältnis zum A. J. C. erwies sich diesmal als nützlich. Auf Marshall und Genossen hatte der Zwischenfall offenbar einen großen Eindruck gemacht. Sie bestanden auf einer Wiederaufnahme der Unterhandlungen und waren jetzt viel entgegenkommender. Es kam eine neue Vereinbarung zustande, die als zufriedenstellender Kompromiß allgemeine Zustimmung fand. Die Plattform enthält folgende Forderungen: 1) Bürgerliche, religiöse und politische Rechte, und überdies 2) wo immer die verschiedenen Völker eines Landes als solche Rechte besitzen oder diese ihnen zuerkannt werden sollen, die Erteilung der gleichen Rechte für das jüdische Volk des betreffenden Landes, wenn sie von ihm gefordert werden, wie vom Kongreß beschlossen und festgestellt werden soll; 3) die Sicherung und Beschützung der jüdischen Rechte in Palästina." Der Ausdruck „nationale Rechte" wurde hier deshalb vermieden, weil die Herren vom A. J. C. sich darauf beriefen, daß man in den anglosächsischen Ländern unter „Nation" einen Staat verstehe. Punkt 2 ist aber so klar gefaßt, daß hier eine Mißdeutung ausgeschlossen ist, während der Ausdruck „Gruppen- Rechte in der ersten Vereinbarung entwürdigend war. Die Entscheidung darüber, 0 die Frage des „ökonomischen Wiederaufbaus der jüdischen Gemeinden in der