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Der Jude · 1917-03-01 · Heft 12 (März 1917) · p. 842

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 12 (März 1917)
Article
Jüdische Volkslieder
Date
1917-03-01
Page
842 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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Arno Nadel: Cahan, Band i, Nr. 24. — Ein Mädchen beklagt sich über Klatsch und üble Nachrede. Hübsch ist der Sprung zur zweiten Strophe und erst recht zur dritten. Die Ironie in der zweiten Strophe ist köstlich: Da gehen Pärchen zwei, — man sieht sie recht, wie sie stolz nebeneinander spazieren, sie lieben, lieben sich sehr, wer dürfte sich ihnen vergleichen. Geht schon mit eurem falschen Getue, möchte sie ihnen zurufen, aber das läßt sie schon besser an ihrem Begleiter aus. Es ist ein kluges, nicht gerade umgängliches Mädchen, das so die Liebe ansieht. Vierte Strophe, zweite Zeile: „klingen" im jüdischen aktiv und passiv, wie im Hochdeutschen „läuten", hier also „klingen" wie klingeln. Vierte Strophe dritte Zeile, wie schon hie und da, Hinweis auf die lebendige Gelegenheitsdichtung der jüdischen Liebeslieder: es ist eine Ehre oder auch eine Schande, je nach dem Motiv, seine Liebe von aller Welt besungen zu sehen. Rahel. (Übertragung.) Schön bist du, Rahel-Leben, Schön sollst du dich zieren, Tu um dein schönes Mäntelchen, Und laß uns gehn spazieren. Schain bistü, Ruchel-Lebn, Schain sollstü dich zieren, Tü dir un dain Oibermantele, Wein wir geihn spazieren. Spazieren, Ruch'le, wein wir geihn Zwischen die gedichte Baimer, Spazieren wein wir baide geihn Dort, wu es geiht nischt kainer. Spazieren wein mir baide geihn Zwischen die gedichte Blätter, Tomer treft dich dains a Chawertn, Sog, dü geihst zu dain Vetter. Spazieren, Ruch'le, wein mir geihn Zwischen frische Blumen, Tomer treft dich dains a Chawertn, Sog, dü geihst zu dain Muhmen. Spazieren wein mir baide geihn Nebn aiserne Kraten, Hob nisch moire, main Duschke-Lebn, S'wet dir gor nischt schaten. Spazieren, Ruch'le, wein mir geihn In dem wilden Wald. Wi Ruch'le hot das derhert, Is ir geworen haiss und kalt. Oi Ruchel-Lebn, Kroine-Lebn, Efscher westü trinkn a Gläsl Wain? Main Hand geb ich dir far alle Mentschen As main Waib westü sain. Spazieren, Rahelein, werden wir gehn, Wo Baum an Baum dicht steht. Spazieren wollen wir beide gehn, Wo niemand anders geht. Spazieren werden wir beide gehn, Um uns die dichten Blätter, Trifft dich vielleicht eine Freundin dort: Du gehst zu deinem Vetter. Spazieren, Rahelein, werden wir gehn, Da stehen Blum an Blume. Trifft dich vielleicht eine Freundin dort: Du gehst zu deiner Muhme. Spazieren werden wir beide gehn An den eisernen Gitterladen, Hab keine Angst, mein Seelchen, meins, Es wird dir garnichts schaden. Spazieren, Rahelein, werden wir gehen, Hinein in den dichten Wald. — Wie Rahel dies vernommen hat, Da ward ihr heiß und kalt. — 0 Rahel, Liebchen, Krone, Leben, Willst du trinken ein Gläschen Wein? Meine Hand geb ich dir vor allen Menschen: Du sollst mein Weibchen sein.

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