Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 12 (März 1917)
- Article
- Jüdische Volkslieder
- Date
- 1917-03-01
- Page
- 838 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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838 Arno Nadel: Ach, wie greiss is mir main Wynd, Maine junge Johren hob ich verschnitten, — Vun siebezehn Johr a junge Kind! Ich hob noch kein Welt nit gesehn, Chuz Jekaterinoslawer Stodt allein; Main ganzer Vergnign is gewen, In Gass zu spazieren geihn. Ach, wie greiss is mir main Wynd, Maine junge Johren hob ich verschnitten — Vun siebezehn Johr a junge Kind! Die Mite wet sain main Bett Un Tachrichim wein sain maine Kleider, Un der finsterer Kabinet — der Keiwer, Un Werm welen essen Main jederer Eiwer. Ach, wie greiss is main Wynd, Maine junge Johren hob ich verschnitten, — Vun siebezehn Johr a junge Kind! A Bass-jchide bin ich gewesen, Maine Eltern flegen vun mir kwelen: Zu der Chupe fihren flegen sei allz wellen, — Die Chupe hob ich auf a Lwaje verboten! Ach, wie greiss is main Wynd, Maine junge Johren hob ich verschnitten, — Vun siebezehn Johr a junge Kind! Wie groß ist meine WundM Meine jungen Jahre hab ich zerschnitten, Von siebzehn Jahr ein Kind. Ich hab noch nichts von der Welt gesehn, Nur Jekaterinoslaw allein, Mein einziges Vergnügen war, In den Straßen spazieren zu gehn. Wie groß ist meine Wund! Meine jungen Jahre hab ich zerschnitten, Von siebzehn Jahr ein Kind. Die Bahre wird mein Lager sein, Und Totengewänder meine Kleider, Und das Grab — mein finstres Quartier, Und Würmer werden fressen Ein jedes Glied an mir. Wie groß ist meine Wund'! Meine jungen Jahre hab ich zerschnitten, Von siebzehn Jahr ein Kind. Eine einzige Tochter bin ich gewesen, Meine Eltern frohlockten, mich' zu schauen, Ihr seligster Wunsch war, mich zu trauen. Anstatt zum Traualtar bin ich zur Bahre geschritten, O weh, wie groß ist meine WundM Meine jungen Jahre hab ich zerschnitten, Von siebzehn Jahr ein Kind. Ginsburg und Marek No. 229. — Das Lied ist wie aus zwei dem Umfange nach gleichen Teilen zusammengesetzt. In den ersten vier Strophen verteidigt sich die Liebende vor der Mutter und der Welt, daß sie, das Kind aus wohlhabendem Hause, einen armen mißachtenden Mann heiraten will* „Teurer geschätzter Brillant, " spricht sie ihn an, und kann sein schönes Antlitz nicht genug rühmen. Plötzlich aber wandelt sich das Stück zu einer furchtbaren Klage und Selbstanklage — mit rührendem Refrain: „0 weh, welch eine Welt" (Original: „so eine teuere Welt hab ich", gemeint ist aber ironisch, im Sinne der Übertragung: „eine schöne Welt ist's") Vielleicht sind infolge falscher Mitteilung oder im Laufe der Zeit zwei verschiedene Texte ineinander geraten. Vor drei Jahren teilte mir der Sänger Rosenstein eine Strophe mit (siehe Sammlung Winz, Ost und West 1914 Heft 1), die offenbar zu diesem Liede gehört und die an Selbstpeinigung, aber auch