Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 12 (März 1917)
- Article
- Jüdische Volkslieder
- Date
- 1917-03-01
- Page
- 837 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Volkslieder 837 Die Siebze — Tochter liebe, getraie, Wos hostu dich in Bochur varliebt, Wos host in ehm dersehen? Er is nacket, borwes, ain orem-Mann! Verlieb sich besser in a raichen, — Wos nitzt dir der orem-Mann! Bakenn sich besser in dain glaichen, As er soll kennen sain dain Mann! — Mutter liebe, getraie, Mach mir die Kop nit dyl, — Lesch schoin mir ope't dem Faier Un gib schoin mir wemen ich will! Verliebt hob ich sich in sain schein Ponim, Gekrogen hot er ba mir Chein, Die ganze Welt sogt, as er is mies un orm, Un bai mir is er thaier un schein! Geblieht hob ich, wie a scheine Rose, Verblieht hob ich maine Täg: Die Eltern machen mir schoin dyl, Wos nitzt mir main Vermeg! Der Ponim wert doch schwarz, Ich weis gor nit far wos, A Steindele liegt af main Harzen, Un der Ponim wert grin wie a Gros. Thairer, geschätzter Brilljant, Du verschainst main ganzen Leben, Ich nehm dich in oremen Stand Und ich mohn nit bai dir kein Geld! Allz iber dain schein Ponim, — Gekrogen hostu bai mir Chain: Die ganze Welt sogt, as du bist mies und orm, Bai mir bistu thaier un schein! Die Welt hot bai mir nit kein Werd, Un die Welt is far mir gor klein: Ich hob schoin aseins verklärt, As ich soll vun der Welt awekgeihn: Asa thaier Welt hob ich! injährige. (Übertragung:) — Tochter, liebe, getreue, Was hast du dich in den Jungen verliebt, 'Was hast du an ihm ersehen? Er ist barfuß, nackt, ein Bettler, Verlieb dich besser in einen Reichen, Was soll dir der arme Mann! Geh lieber um mit deinesgleichen, Daß er dein Mann werden kann. — Mutter, liebe, getreue, Mach mir den Kopf nicht toll, Lösch aus in mir das Feuer Und gib mir schon, wen ich will. Verliebt hab ich mich in sein schönes Gesicht, Gunst hat er gefunden bei mir, mein Getreuer, Die Welt sagt, er ist häßlich und arm, Und mir ist er schön und teuer. Geblüht hab ich, wie eine schöne Rose, Verblüht ist mein Tag seinetwegen, Die Eltern machen mich schon toll, Was nützt mir mein Vermögen! Das Antlitz wird mir schwarz, Ich weiß nicht recht um was, Ein Steinchen liegt auf meinem Herzen, Und mein Antlitz wird grün wie Gras. Teurer, geschätzter Brillant, Du verschönst mein ganzes Leben, Ich nehme dich in armem Stand, Du sollst kein Geld mir geben. Nur um dein schönes Antlitz Gefunden hast du Gunst bei mir, o Getreuer, Die ganze Welt sagt, du bist häßlich und arm, Und mir bist du schön und teuer. Die Welt hat für mich keinen Wert, Und die Welt ist für mich nur kleinlich hab es mir lange erklärt, Ich soll von der Welt hingehn. O weh, welch eine Welt!