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Der Jude · 1917-03-01 · Heft 12 (März 1917) · p. 830

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 12 (März 1917)
Article
Grundlagen des Nationaljudentums
Date
1917-03-01
Page
830 (sequence 6)
Language
German
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830 Jakob Klatzkin: hebräische Palästina wird gleichsam eine Proklamation erlassen: hier nationale Wiedergeburt, dort nationaler Tod. Es wird nur ein Entweder — Oder geben: entweder Ganzjude, hebräischer Jude oder alles andere als Jude. Es wird aber nicht mehr Halbjuden geben, deutsche, französische, englische usw. Juden. Kurz, Palästina wird die nationale Ganzheit der Juden ermöglichen: entweder ganzer Jude oder ganzer Nichtjude zu sein. 2. Das Zentrum, lehrt Achad Haam, wird Sonne der Nation sein und die Gesamtjudenheit erwärmen und befruchten Wohl, doch wird diese nationale Sonne nur für kurze Dauer nach den Exilländern ausstrahlen, um dann im eigenen Lande um so intensiver zu leuchten und zu wärmen, während den anderen Ländern ihre nationalen Sonnen Licht und Wärme spenden werden. Zwei Sonnen, sagten schon unsere Weisen, können nicht im Durcheinander leuchten. Das Zentrum, lehrt ferner Achad Haam, wird eine nationale Anziehungskraft besitzen. Gewiß, es wird der Diaspora viele Kräfte und Säfte entziehen, nicht jedoch abgeben. Es wird eine einseitige und keine wechselwirkende Anziehungskraft sein. Freilich, „sobald alle zerstreuten Glieder des Volkskörpers den Schlag des nationalen Herzens fühlen werden, das auf seinem natürlichen Nährboden zu neuem Leben erwacht ist, werden sie rings um das Herz näher aneinanderrücken und gerne in sich das lebendige Blut aufnehmen, das aus ihm strömt". (Am Scheidewege, Wörter und Begriffe.) Ja, in diesem Zeichen wird die erste Periode stehen, die des nationalen Werdens und Wiedererwachens; nicht aber die spätere Periode der nationalen Kristallisierung neuen Lebens. In der ersten Zeit des Pathos, der lauten Begeisterung, ist das Pulsieren des Volksherzens sehr stark und den verstreuten Volksgliedern vernehmbar, die nun freudig bereit sind, den aus dem neubelebten Herzen in der Ferne ausgehenden Blutstrom in ihre Adern aufzunehmen. Doch empfangen sie nolens volens den warmen Blutstrom, der aus dem nationalen Herzen in ihrer unmittelbaren Nähe ihnen zufließt, und mit der Zeit erlischt in ihnen auch die Sehnsucht nach dem fernen Quell, das Echo des wiedergeborenen Lebens Neujudas tönt immer schwächer an ihr Ohr, bis es gänzlich verhallt — und sie nähren sich nunmehr freudig, ungestört und ohne Gewissensbisse, vom nahen, fremdgewesenen und eigengewordenen Volksquell. Wird es doch nur ein gutes Zeichen für die Bewährung unseres Ideals sein, wenn das Stadium des Pathos und der lauten Begeisterung, das den Beginn des Werdens und den Anlauf einer Bewegung anzeigt, vom Stadium der auf sich zurückgezogenen, in sich ruhenden, national gereiften Wirklichkeit — des geformten und mithin auch örtlich begrenzten nationalen Stillebens als aufgespeicherten völkischen Seins — abgelöst werden wird. Ein weithin hörbares Herzklopfen ist ja gerade kein Zeichen der Gesundheit. Ja, das Festlegen des nationalen Herzens, im Bilde Achad Haams zu sprechen, an einer bestimmten Stelle bedeutet eben die Festlegung des ganzen Volksorganismus an einem bestimmten Orte und verurteilt alle fern verstreuten Volksteile zum raschen Absterben. Je kräftiger das nationale Herz, je gefestigter und greifbarer seine Lebensformen, desto leichter und besser werden die fernab zerstreuten Glieder dem fremden Volkskörper einverleibt. Die Schaffung eines neutralen Zentrums für das Judentum heißt nichts anderes als die Verpflanzung des Judentums nach einem Orte, seine Verwurzelung in

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