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Der Jude · 1917-03-01 · Heft 12 (März 1917) · p. 829

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 12 (März 1917)
Article
Grundlagen des Nationaljudentums
Date
1917-03-01
Page
829 (sequence 5)
Language
German
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Grundlagen des Nationaljudentums 829 wird das Judentum an klaren und deutlichen Zügen nationaler Echtheit — sowohl von uns selbst als von den anderen Nationen — erkannt werden; und nicht mehr verfälscht werden können. Wer und was diese nationalen Züge nicht haben wird, wird nicht Jude, wird nicht jüdisch sein. Ein Judentum als Zutat, als Zugabe, als Firnis und Übertünchung fremdnationaler Kultur wird nicht bestehen können. Das palästinensische Judentum wird die Währung bilden für alles Judesein und Jüdischsein und das fiktive Judentum außer Geltung setzen. Werden wir in Palästina nationale Vollwertigkeit erlangen, so gibt es nirgend mehr Platz für das schwindsüchtige, färb- und saftlose Judentum, dessen Splitter in der ganzen Welt zerstieben und, überall beängstigend, auf Haß und Verachtung stoßen; für das verstümmelte und verunstaltete Judentum, das seine nationale Schande in der ganzen Welt herumschleppt und schamlos preisgibt. Ein jüdischer Volltypus wird entstehen, in nationalen Daseinsformen gegründet, der Typus eines Ganzjuden wird hervortreten — und es gibt dann keine Existenzmöglichkeit für ein fragmentarisches Judentum, für ein gebrechliches, bruchartiges Judentum, für Halb- und Vierteljuden; für Juden, die unjüdisch, in nichtjüdischer SprachundK ulturgemeinschaft leben. Das Judentum wird als bodenständig nationale Gleichberechtigung erwerben, und der auf Nichtanerkennung unseres nationalen Charakters aufgebaute Begriff für das Konnubium von Judentum und Deutschtum, Judentum und Franzosentum usw. wird verschwinden. Deutscher Jude, französischer Jude — dieser Begriff wird ebenso ein Unding sein, wie deutscher Franzose, französischer Deutsche. Schon der Sprachenrenegat wird nicht mehr als Jude gelten; diese nationale Mißgestalt: Juden, die nicht hebräisch sprechen, wird nicht mehr jüdisch und mithin nicht Mißgestalt sein. Diese Wandlung ist auch psychologisch zu verstehen. Hat ein Volk seine nationale Norm verloren, so können vielleicht seine Glieder trotz ihrer gemeinsamen Abnormität, da sie ihnen ja gemeinsam ist, als Einheit fortbestehen und anerkannt werden; mitunter wird diese Fehlerhaftigkeit selbst eigentümliches Merkmal der Volksbeschaffenheit. Hat das Volk seine nationale Norm wiedergewonnen, so können die Glieder, die in der Abnormität zurückbleiben, nicht mehr in seine Einheit eingeordnet werden; sie müssen abfallen. Solange unser Volkstum unter der nationalen Norm — wie Territorium, Sprache — kraft der Religion Bestand hatte, konnte dieses Manko sogar als Charakteristikum des Judentums gelten. Wird nun unser Volkstum in Palästina national normiert werden, so wird die Anomalie eines Galusjudentums nicht mehr fortwuchern können; sie wird nicht, diese Entartung, mit dem in Palästina regenerierten Judentum eins sein, eine Volksgemeinschaft bilden. Das jüdische Volk wird, wie alle weltlichen Völker, nationale Normalgrenzen haben; die außerhalb dieser Grenzen leben und wirken werden, werden nicht Juden sein. Das zwitterhafte, flickwerkartige Jargon-Judentum wird aufhören. Nationale Reinheit wird uns zuteil werden und das Unreine und Vermischte aus unserem Volkskörper ausscheiden. Eine Kluft wird sich zwischen Palästina und der Diaspora auftun. Das nationale Zentrum, die nationale Konzentration in Erez Israel wird also das langsame Dahinwelken des Galuth beschleunigen, der qualvollen Agonie ein Ende setzen; wird eine vollwertige Assimilierung in der Zerstreuung, im Getriebe der Völker, ermöglichen. Das

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