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Der Jude · 1917-03-01 · Heft 12 (März 1917) · p. 796

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 12 (März 1917)
Article
Briefe aus Palästina
Date
1917-03-01
Page
796 (sequence 3)
Language
German
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796 A. D. Gordon: Also — Palästina. Was können die Juden in den Golusländern für Palästina tun? Was kann Palästina den Juden in den Golusländern geben? Da kommen wir wieder zu dem, was am Ende des ersten Briefes gesagt wurde, daß nur dann Juden etwas Rechtes für Palästina tun können, wenn Palästina ihnen etwas Rechtes gibt. Und daher gilt es, über beide Fragen oder über beide Seiten dieser einen Frage zu sprechen, und zwar zuerst über das, was Palästina den Golusländern geben kann. Die erste, wenn nicht die größte Gabe ist das Bewußtsein, daß wir unser Leben schaffen, daß wir etwas sind und etwas können. Wir haben bereits den Geschmack des Lebens einer Nation vergessen, — und hier fühlen wir ihn wieder! Zwar ist das Leben klein, mikroskopisch klein, ein Tropfen im Meer, — aber ein Tropfen Leben! Wißt ihr, was das heißt? Jedes Leben beginnt mikroskopisch: mit einer Zelle, mit einem Mikroorganismus. Das Wesentliche ist, daß der Tropfen lebendig und entwicklungsfähig sei. Ein Tropfen Leben wirkt lebendiger als ein großes Meer von Wasser. Das sehen wir gerade in Palästina an allem. Das erste ist die Arbeit. Da beginnt man erst zu fühlen, was — mikrokosmisch natürlich — volkswirtschaftliche Arbeit bedeutet. Da beginnt die Arbeit sich organisch mit der Erde, mit der Sprache, mit dem ganzen -nationalen Leben und der nationalen Psychologie zu verbinden. Das alles ist, wie gesagt, mikroskopisch klein, nicht mit dem bloßen Auge zu sehen, und doch werde ich, so will es mir scheinen, mit meinen Worten nicht sündigen, wenn ich sage, daß es kein Land gibt, das den Juden so an die Arbeit bindet wie Palästina. Hat ein Jude eine lebendige Seele, hat er ein Stückchen eigenes geistiges Kapital und dazu die Möglichkeit, so wird er arbeiten. Man muß, so scheint es, schon ein vollkommen Armer oder Verarmter sein, um in Palästina nicht zu arbeiten, sobald man nur die Möglichkeit hat. Vielleicht täusche ich mich. Ich gebe mich nicht für den größten Sachverständigen auf dem Gebiete geistigen Reichtums aus, aber ich schätze nach meiner Urteilskraft. Das kann heißen, daß die Arbeit — wieder selbstverständlich mikroskopisch gemessen — im höheren Sinne national wird. Hier steht die Arbeit nicht auf rein ökonomischem, sondern im Grunde auf nationalem Boden. Der Kampf für die Arbeit trägt hier auch keinen Klassenkampfsondern nationalen Charakter: es ist ein Kampf für die Arbeit gegen das Parasitentum. Selbstverständlich ist es noch zu früh, darüber Bestimmtes zu sagen, es ist nur ein Anfang, ein Tropfen im Meer. Aber wer weiß? Vielleicht wendet sich vieles an uns selbst, daß hier etwas Neues geschaffen wird, jedenfalls können hier die Juden der Golusländer viel wirken durch ihren Einfluß, der hier sehr groß ist, richtiger sehr groß sein kann, wenn sie bewußt wirken werden. Ich meine hauptsächlich den moralischen Einfluß, d. h. die öffentliche Meinung der Juden in den Golusländern, was soviel heißt als die Meinung des jüdischen Volkes. Sie müssen nur sehr energisch fordern, daß in Palästina die Arbeit nur durch eigene Hände getan werden soll. In Palästina darf der nicht von der Erde leben, der nicht selbst mit seiner Familie arbeitet (schon deshalb nicht, weil das jüdische Volk nicht soviel Erde besitzt, um sich den Luxus von nichtarbeitenden Gutsbesitzern erlauben zu können). Hat einer Erde, so ist er verpflichtet zu arbeiten, er und seine Familie; nur im Notfall darf er Helfer nehmen und zwar, selbstverständlich, jüdische. Eigentlich mußte die Erde

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