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Der Jude · 1917-02-01 · Heft 11 (Februar 1917) · p. 770

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 11 (Februar 1917)
Article
Jüdische Volkslieder
Date
1917-02-01
Page
770 (sequence 12)
Language
German
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770 Arno Nadel: Maine Eltern thuen mich fragen: Wos bin ich asei betribt? Zi denn kenn ich sei sogen, As ich bin in einem verliebt! Meine Eltern quälen mich mit Fragen, Warum ich so betrübt? Kann ich ihnen denn sagen, Ich hab mich in einen verliebt? Verliebt bin ich in einem, Wos er is mir take nit wert; Derzeilen kenn ich var keinem — Mistome is mir vun Gott asei beschert! Verliebt bin ich in einen, Er ist's wahrhaftig nicht wert, Erzählen kann ich es keinem, Vielleicht ist mirs von Gott so beschert. Ginsburg und Marek Nr. 194. — Der Liebste ist fortgefahren, und sie darf es den Eltern nicht sagen, darf ihnen überhaupt nicht sagen, daß sie liebt. Nun ist sie allein mit ihrem Leide. Noch vor kurzem, da saß sie mit ihm, da war sie selig, da „spielte ihr Glück". Jetzt ist er fortgeflogen, und sie ertrinkt in Qual und Sehnsucht. Sie klagt mit Recht: er wird wohl nicht wiederkommen, er, der in ein ganz weites Land gefahren ist, er, der ihrer Liebe schon ohnehin nicht wert ist. — Wir lernen übrigens: es sind meistens Mädchen, die ihre Liebe singen, es sind die Vögelchen, die Weibchen, — ein ganz natürlicher Zustand. Die Jünglinge sind beschäftigt, sie sind in der Werkstätte, sie sind im Lehrhause, im „Bes hamidrosch" die Mädchen aber, die sind verliebt und werden geliebt, ihr Leben ist Sehnsucht und Herzensstreit, ein dunkler Feuerstrahl, der sich jung verzehrt. — In furchtbarer Drastik möge nun das Lied einer Verführten folgen. (Ginsburg und Marek Nr. 196.) Die Verführte. Spazieren sainen mir Beide gegangen; Viel Dunnern und Blitzen Sainen ariber gegarigen, Oi, 'ch hob gethon asa Sach, fch hob gor nit betracht; 'ch hob gemeint, as 's is Tog Zum Ssof is gor Nacht! Oi, Marne, Marne, Du binst doch gerecht: As men folgt nit kein Eltern, Kummt araus schlecht! (Übertragung) Spazieren sind wir Beide gegangen, Viel Donner, viel Blitzen Ist darüber gegangen. O, ich hab getan eine Sach, Ich hab es nicht bedacht, Ich meinte, es sei Tag, Und nun ists Nacht. O Mutter, Mutter, Du bist doch gerecht. Folgt man nicht den Eltern, So wird es schlecht. Er hot mir geschonken A Fingerl Gold; Er hot sich gebeten, Un ich hob nit gewollt. Oi, 'ch hob gethon asa Sach etc. Er hat mir geschenkt ein Ringlein von Gold, Er hat mich angefleht, Und ich hab nicht gewollt. 0, ich hab getan eine Sach, usw.

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