Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 11 (Februar 1917)
- Article
- Jüdische Volkslieder
- Date
- 1917-02-01
- Page
- 765 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Volkslieder 765, Kein Sach wollt mir nit gewen zu schwer, — Sieben Jamen zu schwimmen far dir; Duschin je, beten dir bet ich: Du sollst nit vergessen on mir! Eib du willst mit der zweiter spazieren, Geihn sollstu geihn var main Grub; Blumen welen dort sprozen, Dermohnen sollstu mir mit a Thrär! Kein Ding war mir zu schwer gewesen, Sieben Meere zu schwimmen um dich. Eins, Seelchen, bitt ich dich, bitt ich dich: Du sollst nicht vergessen an mich. Und willst du durchaus mit der Andern spazieren, So soll es vorbei meinem Grabe sein, Blumen werden dort aufsprießen, Mit einer Träne gedenke mein. . Ginsburg und Marek No. 189. — Ein trauriges Lied ist's, das das verlassene Mädchen da singt, wie sie selbst es sagt. Sie sitzt am Fenster und spinnt sichin elende schreckliche Gedanken ein. Wie der Treulose mit häßlichen Worten, sie unterbricht (4. Strophe), wie sie immer wieder auf die beliebte Weise vom, Spazierengehn zurückkommt, das ist alles aus diesem wachen Traum heraus, zu erklären. Ganz wundervoll sind die beiden ersten Zeilen der vorletzten Strophe: Kein Sach wär mir zu schwer gewesen, sieben Meere zu schwimmen um dich. — Zum Originaltext: „Finster is mir in maine Eigen", anschaulicher und genauer als: Finster sind mir meine Augen. „Gegangen is damols a Schnei", echtes Jiddisch, mit feinem Sinn für die Poesie des Vorganges. Ein Regen ist gegangen, — das ist ein anhaltender, mittelstarker Regen, trauriger als der „fallende" Regen. Weniger anschaulich ist schon : „gegangen ist damals ein Schnee", weil der Schnee in sichtbaren begrenzten Teilen herniederkommt,: also eher fällt als geht. Aus allem ist zu ersehen: das Jiddisch ist eine Sprechsprache und keine Schriftsprache. Es kann daher noch am ehesten im Volksliede sich ausleben, in dem am allerwenigsten an Geschriebenes gedacht wird. Das Eine zwei Werter hob ich em geret, Asoi hot er sech eingeliebt in mir, Un Gott soll zolen af alle seine Weg Dem Tachles wos er hot gemacht vun mir. A Chawerte hob ich gehat eine vun alle, Sekreten hot si bei mir gewußt. Un haint tut men singen in Gassen Dem Tachles, wos er hot vun mir. Un kleibt sich zusammen, 01, Chawertes, ihr meine, Un nemt sech arob a Musser vun sei. Un Gott soll aich hitn vun a falsche Liebe, Asoi wie einer vun a jungen Toit. nde. (Übertragung.) Eins, zwei Worte hab ich mit ihm geredet, Hat er verliebt mich begleitet, Und Gott mög ihm zahlen auf allen seinen Wegen Das Ende, das er mir bereitet. Eine Freundin hatte ich, eine von allen, Wir hatten Geheimnisse beide, Und nun muß man singen in den Gassen Das Ende von meinem Leide. Kommt alle zusammen, Freundinnen meine, Nehmt euch ein Beispiel an meiner Not, Und Gott soll euch schützen vor falscher Liebe Wie einen vor jungem Tod.