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Der Jude · 1917-02-01 · Heft 11 (Februar 1917) · p. 764

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 11 (Februar 1917)
Article
Jüdische Volkslieder
Date
1917-02-01
Page
764 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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764 Arno Nadel: Kennzeichen dieses Liedes und zeugt für seine Selbständigkeit. Erwähnt sei auch die romantische jugendliche Sentimentalität der vorletzten Strophe: der Falsche soll sich an seinem Opfer geradezu weiden. — Zum Originaltext: ,,A weile Lied", — ein Wohles, also ein schönes Lied. — Die zweite Zeile: sie kostet mich Tränen mit viel Schmerz: logischer als die ähnliche Zeile im vorigen Liede. — Dritte Zeile: wer eine falsche Liebe „verbracht", — gemeint ist nichts weniger als der dem Worte zugrunde liegende nächste Sinn, sondern: „durchgemacht", also „verbracht" ohne die negative Nebenbedeutung. Aber durch die Falschheit der Liebe, also durch diesen trüben Bestandteil des Ausdrucks ist das Wort „verbracht" mit hineingezogen worden. — „Du host sei in falsche Eidus gestellt" bedeutet wie in der Übertragung: du hast sie in falsches Zeugnis gestellt: sonderbare, momentane Ausdrucksweise. — „ Und host allein zu nischt gemacht", bedeutet: und hast ihn, den Schwur nämlich, zunichte gemacht. Das Objekt wird, wie oft, ohne Bedenken um der Melodie willen fortgelassen. Finster ist mir i Finster is mir in maine Eigen, As ich ken schoin nit sehen die Schain; Wie glicklich wollt ich gewesen, Wenn du wollst mainer sain! n meinen Augen. (Übertragung.) Finster ist mir in meinen Augen, Ich kann schon nicht sehn den Schein, Wie glücklich wäre ich geworden, Wenn du nur wärest mein. Sitz ich mir bai mainem Fenster Un sing mir a trauerige Lied: Zehn Kales sollstu hoben, Un zu mir sollstu sich umkehren zurick! Spazieren sainen mir beide gegangen Arum un arum Bulwar; Alle Meidlech spielen aus a Liebe, Un mir hostu gelosen fir a Narr! — Genug schoin dir zu weinen un zu klogen, Auf allz darf doch sain ain Schi'rl Mit ain anderer Chassene zu hoben, Mit ain schenerer un besserer vun dir! — Spazieren sainen mir beide gegangen Arum jener un jener Taich; Du host doch mir allz versprochen: Jetzt sainen daine Reid net glaich! Spazieren sainen mir beide gegangen, Gegangen is damols a Schnei; Un jetzt is mir main Leben Geworen wind un weihl Sitze ich mir bei meinem Fenster Und sing mir ein trauriges Stück: Zehn Bräute sollst du haben, Und zu mir sollst du kehren zurück. Spazieren sind wir beide gegangen, Rundherum den Boulevard, Alle Mädchen spielen ihre Liebe zu Ende, Und ich bin geblieben dein Narr. — Genug zu weinen und zu klagen, Gib endlich der Klage Ruh. Mit einer andern werde ich Hochzeit halten, Die schöner und besser als du. Spazieren sind wir beide gegangen, Den Teich herum und herum. Was hast du mir doch alles versprochen, Nun ist deine Rede krumm. Spazieren sind wir beide gegangen, Es fiel wohl damals ein Schnee, Und jetzt ist mir mein Leben Geworden wund und weh.

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