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Der Jude · 1917-02-01 · Heft 11 (Februar 1917) · p. 743

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 11 (Februar 1917)
Article
Armenwesen und soziale Fürsorge im Ostjudentum
Date
1917-02-01
Page
743 (sequence 7)
Language
German
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Armenwesen und soziale Fürsorge im Ostjudentum 743 beerdigt: bei 63% der jüdischen Toten haben mithin die Hinterbliebenen die Beerdigungskosten nicht aufbringen können. 625 Personen (20,9%) wurden zu Minimalsätzen bestattet. In Warschau wurden im Jahre 1901 von 5523 jüdischen Toten 2401, mithin 43,5% gebührenfrei beerdigt. 1873 (33>6%) von der Gesamtzahl der Toten wurden zu ermäßigten Sätzen bestattet. Wir haben an der Hand des angeführten Zahlenmaterials ein ziemlich klares, wenn auch sicherlich sehr unvollkommenes und unvollständiges Bild von der Statik der jüdischen Armut gewonnen. Es gilt nun, das Entwicklungstempo des ostjüdischen Armenwesens festzustellen. Das ostjüdische Wirtschaftsleben steht seit etwa vier Jahrzehnten im Zeichen zunehmender Verelendung. Die verschiedenen Phasen dieses unzweifelhaften Verelendungsprozesses lassen sich sehr schwer feststellen. Schwieriger noch ist es, zu allgemeingültigen, abstrakten Schlüssen und Grundsätzen zu gelangen. Es sind schwer faßbare äußere und innere Gegenfaktoren und modifizierende Tendenzen in Betracht zu ziehen. Immerhin sind die folgenden vergleichenden Zahlen dazu angetan, ein klares Bild von der Dynamik des jüdischen Elends zu gewähren. Die Vergleichszahlen erstrecken sich auf die 5 Jahre 1894—1898. In den 4 Jahren wurchs die Zahl der hilfsbedürftigen jüdischen Familien von 85183 auf 108922.*) Es ist dies eine Steigerung des jüdischen Armenstatus um durchschnittlich 27,9% binnen 4 Jahren. Diese absolute Steigerung ist'in verschiedenen Gebieten recht verschieden. Am höchsten ist sie in den südlichen Gouvernements — 39,9%. In den südwestlichen Gouvernements 32,5%, in den nordwestlichen 26,3%, in Polen 21,3%. Die absolute prozentuelle Vermehrung der Zahl der hilfsbedürftigen jüdischen Familien in den einzelnen Gouvernements ergibt sich aus folgender Zusammenstellung: Proz. Steigerung der Proz. Steigerung der Zahl der hilfsbed.jüd. Zahl der hilfsbed.jüd Gouvernements Familien (in 4 Jhr.) Gouvernements Familien (in 4 Jhr.) Siedlce................46,8 Suwalki...............27,9 Tschernigow . . . ........46,1 Poltawa...............26,0 Petrikau...............42,3 Lomza................25,7 Bessarabien.............42,1 Wilna................25,5 Jekaterinoslaw...........41,9 Grodno..............< . 20,8 Cherson...............39,6 Kiew................. 20,2 Wolhynien.............39,4 Kalisch...............18,8 Podolien...............38,2 Radom................17,5 Mohilew...............38,1 Minsk................17,3 Kielce................35,7 Lublin................15,5 Kowno...............33>" Plozk................13,3 Witebsk . t..............31,6 Warschau..............6,7 Taurien...............29,2 An erster Stelle steht das Gouv. Siedice mit einer Steigerung der Zahl der Armen in 4 Jahren um fast die Hälfte (46,8%), an letzter Warschau mit 6,7%, *) Die Differenz gegenüber den oben für 1898 angegebenen Gesamtzahl von 132855 wird vom Bericht der ICA durch den Umstand erklärt, daß zum Behufe einer größtmöglichen Genauigkeit von den Ergebnissen in einer erheblichen Anzahl von Orten, für die Vergleichszahlen für 1894/98 nicht vollständig vorliegen, abgesehen werden mußte.

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