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Der Jude · 1917-02-01 · Heft 11 (Februar 1917) · p. 735

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 11 (Februar 1917)
Article
Briefe aus Palästina
Date
1917-02-01
Page
735 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Briefe aus Palästina 735 alle Teile des Volkes und damit auch für die ganze Menschheit von größerer Notwendigkeit ist, sondern das am meisten Gangbare, das heißt das, was Reichere brauchen, Parasiten gleich seinem Eigentümer, und Reichere gibt es auf der ganzen Welt natürlich mehr als in einem Volk. Daher sucht es auch für die anderen Länder nicht das für die ganze Bevölkerung Nützlichere zu schaffen, sondern das in irgendeiner Hinsicht für das Kapital überhaupt besser Lohnende. Und daher fühlt es als sein gutes Recht, riesengroße Geschütze und alle die Waffen zu schaffen, die dem Menschen nur Verderben und Tod bringen, sei es in physischer, sei es in geistiger, sei es in beiden Hinsichten. Und die Arbeit? Die Arbeit, sagt man, kämpft mit dem Kapital. Aber wie denn? Genau so, wie das Kapital mit der Arbeit kämpft. Das Kapital kämpft für seine Klasse und die Arbeit für die ihre. Das Kapital ist international und die Arbeit ist auch international. Das Kapital sucht weitere Absatzgebiete für seine Ware und die Arbeit braucht auch Märkte, sobald sie eines Weges mit ihm geht. Das Kapital flieht aus dem Dorf, aus der Natur in die Stadt, wo es bessere Geschäfte machen kann, die Arbeit ihm nach (nicht nur aus Not). Das Kapital baut Fabriken, um Kanonen und alle die Dinge zu fabrizieren, die die Welt verwüsten oder den Menschen vernichten, oder alle die Dinge, die nur für Reiche taugen, während Dinge fehlen, die für alle wie das Leben nötig sind, — und wer macht dies alles? Die Arbeit. Man darf nicht glauben, daß hier die Not allein wirke, daß der Arbeiter das alles arbeiten müsse, um sein Brot zu verdienen. Damit kann man den oder jenen einzelnen Arbeiter, den oder jenen Fall entschuldigen, aber nicht die gesamte Arbeiterschaft, nicht die Arbeit als solche. Gibt es denn bei den Arbeitern irgendein Verbot, in der erwähnten Weise zu arbeiten, solange man auch ohnedies, wenn auch etwas bescheidener, leben kann? Sind denn irgend einmal Streike in diesem Sinne vorgekommen? Haben sich denn die Arbeiter einmal ihrer internationalen Verbindung bedient, um die Herstellung von Kanonen und dergleichen zu verbieten? Geht es denn überhaupt bei den Arbeitern in ihrem Kampf, in ihrem unmittelbaren Kampf um andere, Interessen um andere Verhältnisse, um andere Forderungen außer ökononomischen, außer dem, was eine Beziehung zu wirtschaftlichen Dingen oder zur Bekämpfung der gegnerischen Kreise hat? Geht es in dem unmittelbaren, alltäglichen Kampf auch um ein anderes, höheres Verhältnis der Arbeit zu dem, was gearbeitet wird, das heißt, geht es, soweit es möglich ist, darum, daß die Arbeit nicht das schaffe, was man nicht braucht, was Schaden, Demoralisation bringt, was nur dem Parasitentum und dergleichen dient? Geht es hier um andere, neue, tiefere Beziehungen zum Leben an sich? Das ist die Folge davon, daß die Arbeit nicht national ist, daß sie auf Klassen- und nicht auf nationalen Interessen beruht, nicht auf den Interessen des Volkes und des Landes. Wenn die Arbeit wirklich das gesellschaftliche Leben des Menschen umzuschaffen strebt, muß sie das ganze Leben des Menschen, den ganzen Menschen, das heißt vor allem das Volk, die Nation in dem oben erwähnten Sinne umschaffen. Und die Arbeit kann es auf natürlichem Wege, weil sie natürlich schafft und natürlich belebt. Sie schafft Größeres als das Kapital schaffen kann, und erzeugt ein höheres Leben als dieses. Sie macht nicht reich, macht nicht zum Herrscher, während sie schafft und belebt, — und das ist vielleicht ihre größte Macht. Sie muß aber diese Macht kennen und sich ihrer zu bedienen verstehen. Man muß sich klar

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